Stenor’s Kolumne

“Wer nichts weiss, muss alles glauben!”

“Wer nichts weiss, muss alles glauben!” Dies ist eine Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach und ist mir persönlich über den Weg gelaufen als mir ein Arbeitskollege eines Morgens erzählte, dass er diesen Spruch an einer Kirche vorfand und zwar war das am Tag der Einschulung für unsere Erstklässler. Wir mussten dann auch beide darüber herzlich lachen, da wir merkten, dass der Spruch witzig und tiefgründig zugleich ist.

“Wer nichts weiss, muss alles glauben!” Ich finde dieses Satz so genial, dass ich ihn jetzt mal als Aufhänger für meine Kolumne nutzen möchte, denn die Frage nach Glaube und Wissen, die beschäftigt mich ja selbst schon seit ich denken kann. Aber bevor ich jetzt anfange meine Gedanken hier niederzuschreiben möchte ich noch eine kleine Geschichte erzählt wissen, die noch etwas mehr zum Thema heranführt und das ist die Geschichte – Die leere Tasse – (sie ist wirklich nicht sehr lang und kann hier unter diesem Link nachgelesen werden: http://www.iknews.de/2014/01/05/geschichte-der-woche-die-leere-tasse/)

“In ein volles Gefäß kann ich nichts füllen” – interessant, wenn wir jetzt diese beiden Gedanken in Verbindung bringen – “Wer nichts weiss, muss alles glauben!” und  “In ein volles Gefäß kann ich nichts füllen”.
Wenn der Geist (das Gedächtnis, wie man es nennen möchte) eines Menschen bereits mit Wissen gefüllt ist, dann ist es sehr schwer neues – vielleicht noch unbekanntes – Wissen aufzunehmen. Wir kennen es ja alle selbst und aus eigener Erfahrung. Werden wir mit neuen Dingen, neuem Wissen konfrontiert, so wird das auf Basis dessen abgewogen, was sich bereits in unserem “Gefäß” befindet und sind die Dinge zu neu oder scheinbar widersprüchlich mit dem, was wir bereits glauben zu wissen, wird es oftmals instinktiv abgelehnt. Aber wie war das bei uns zu Beginn als unser Gefäß noch leer war? Da waren wir doch alle an dem selben Punkt. Wir mussten einfach das als gegeben hinnehmen – sprich einfach mal glauben – was wir erlernten. Ich glaube, wenn wir es so sehen könnten, dann müssten wir uns doch alle selbst eingestehen, dass wir alle – ohne Ausnahme – mal gläubig waren. Oder?

Das war jetzt die Sichtweise auf den einen Randpunkt – quasi der Blick auf den Beginn des Befüllens unserer Gefäße. Werfen wir jetzt noch einen Blick auf den anderen Randpunkt (ich möchte ihn jetzt nicht Extremwert- Extrempunkt – nennen) und zwar auf die Stelle, an der wir in (quasi) neue Gebiete (Wissens- und/oder Glaubensgebiete) vorstossen. Wie muss es Einstein, Newton, Ohm, Planck, um nur ein paar wenige zu nennen, ergangen sein bevor sie die Dinge entdecket haben, die noch unerschlossen waren? War bei ihnen vielleicht nicht auch erst der Glaube vorhanden, dass dort etwas sein muss, was nur auf seine Entdeckung wartet? Gingen sie nicht alle über die Grenze vom Wissen in das Glauben über? (Was dann ja nach seiner Entdeckung  wieder zu Wissen wurde  – Glauben, Wissen, Glauben, Wissen…..) Halten wir jetzt erst mal einen Moment inne und denken mal darüber nach…

… Ich glaube, wenn wir es so betrachten könnten, dann müssten wir eigentlich erkennen können, dass erst der Glaube als Basis für ein späteres Wissen zwangsläufig notwendig sein muss. Natürlich habe ich jetzt bei dieser Sichtweise ausser Acht gelassen, was sich alles hinter diesem einfachen Wort “Glaube” befinden kann. Das, was der Mensch mit diesem Wort alles verbindet und verknüpft hat, mag von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein und ich möchte es einfach auch an dieser Stelle ausblenden, denn ich glaube es ist nicht wichtig an dieser Stelle. Viel wichtiger finde ich, dass wir alle selbst noch einmal darüber nachdenken, ob das eigene Gefäß schon voll ist (dann bleibt meiner Meinung nach wenig Platz für Glaube – denn wie wir jetzt wissen, erst der Glaube, dann das Wissen) oder ob noch Platz in der eigenen Tasse bleibt, um noch etwas weiter voranzuschreiten.

Das Schöne an der Glaubens- und Wissensfrage ist auch noch, dass wir unsere eigenen Gefäße nie physisch vor uns sehen können und ich möchte jetzt mal behaupten, da ich das glaube, dass der Mensch immer Platz für noch etwas mehr an – richtig, erst Glauben und dann als Folge – Wissen haben kann.

Stenor

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