Lyrik – Wärme / Herbstwind

Warmer Herbstwind –
du streichelst meine Wangen so liebevoll wie die Mutter ihr Kind.

Vertrautes Rauschen in des Waldes Kronen –
noch einmal möchtest du mich mit diesen Klängen belohnen.

Dich so spät noch einmal auf der Haut zu spüren –
es ist wie ein Tanz, das Abweisen und das Verführen.

Rotgold bricht sich das Licht, wie im Prisma, es ist angenehm warm –
du umtänzelst mich, ich bin vom Hauch umgeben, welch süßer Scharm.

Des Waldes Federkleid wirst du ihm bald entrauben –
es ist das jährliche Schauspiel, es hat schon begonnen, das Entlauben.

Viele sind jetzt wieder mehr in sich gekehrt –
Schwermut erfasst die Brust, es ist nicht mehr so unbeschwert.

Noch einmal drängst du die letzte Süße in den schweren Wein –
gehaltvoll, schwer und mit Leben gefüllt, wird er dann sein.

Bald sind die Tage wieder kürzer und der Wald gibt sich erhaben und still –
dann jeder wieder zur Familie zurück möchte und Wärme empfinden will.

Dann ist sie da, die stille Zeit –
dann sind wir auch wieder mehr beisammen und zum Teilen bereit.

Doch dein süßer, letzter, warmer Hauch –
bezirzt meine Sinne, wie schön, ich spüre es, du auch?

Stenor aus Cranach

Translate »