Lyrische Sackgassen

Wie oft habe ich sie schon beschritten, die lyrischen Sackgassen – unzählige Male. Anfangs geht’s oft ganz gut und flüssig, aber mit dem Fortschreiten des Textes finden sich dann einfach nicht mehr die nötigen Verse, die passenden Wörter zusammen. Es hat manchmal echt die Krux, man fängt ganz gut an, dann spürt man aber schon bein Schreiben, dass es nichts Genaues, nichts Gutes wird und somit wandert diese neue lyrische Sackgasse auf Halde, um vielleicht später noch einmal aufgegriffen, noch einmal bearbeitet zu werden, um die Vollendung zu erlangen. Vollendung, welch schönes Wort, welch Tiefgang, wenn ich es aus chinesischer Sicht betrachte, lyrisch betrachtet, so denke ich, gibt es eigentlich keine Vollendung, es gibt da vielleicht so etwas wie ein Fertigstellen, einen brauchbaren, relativ fertigen Status, aber fertig sind die Zeilen eigentlich nie. Ebenso in der Malerei, dort gibt es das eigentlich – aus meiner Sicht – auch nicht. Vollendet, also 100 Prozent, perfekt, ich glaube, dass es das nicht gibt, denn alles ist immer noch auf seine Art steigerbar, verbesserbar, sowohl wir als Menschen, als auch die Dinge, die von uns Menschen erschaffen worden sind und das trifft erst Recht auf Lyrik und Malerei zu.

Aber je älter ich werde, umso schöner finde ich das Nichtperfekte, das Unferige, es muss nicht immer alles perfekt sein, ganz gut, brauchbar reicht oft auch schon aus, um zufrieden, um glücklich zu sein. Sind wir doch mal ganz ehrlich, das Unperfekte ist doch häufig viel interessanter und lebendiger als das Perfekte, oder?

Stenor aus Cranach

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