Text – ein Cafe in Paris

Wie gerne würde man mal so richtige Literatur schreiben, so etwas Richtiges, etwas Großes vielleicht. Aber vielleicht ist die Vorstellung als Autor sein Dasein zu fristen auch nur eine poetische Vorstellung, die wenig mit der Realität zu tun hat, so eine idealisierte Wunschvorstellung, die man hat. Viele Dinge im Leben, die, wenn man sie nicht hat, man gerne haben möchte und wenn man sie dann letztendlich besitzt, man feststellt, dass es doch nur Dinge sind und das, was man sich von ihnen erwartet hat nur reine Fiktion war, vielleicht ein Versuch etwas zu kompensieren. Aber völlig egal und unabhängig davon, lasst uns träumen, lasst uns alles andere sein als Realisten, lasst und Romantiker sein, lasst uns Träumer sein, lasst uns Visionäre sein, denn soweit ich das überblicken kann, die sogenannten Realisten haben kaum bis überhaupt nichts im Laufe der Geschichte verändert, denn es waren immer die Visionäre, die Romantiker, die Träumer, die verändert haben. Also her mit der Fiktion, weg mit der Realität. Allerdings ist dann die Frage, wie real ist die Realität oder wie real kann sie sein, dann auch schon wieder etwas aus dem Bereich der Philosophie – nicht das wir uns jetzt falsch verstehen, ich schätze die Philosophie sehr und ich mag sehr gerne tiefgründige, philosophische Gespräche, ich mag den Tiefgang, aber jetzt lasst uns mal träumen.

Gestern hatte ich ja ein paar Erinnerungen an Paris hier online gestellt (siehe: http://www.stenorkunst.de/erinnerungen-an-paris-schwarzweiss/) und diese Stadt hat etwas ganz Besonderes für mich. Paris verkörpert, wie keine andere Stadt, für mich das Sinnbild für die Malerei, für das Autorenhandwerk, für die Künste. Der Künstler, der dort durch die engen, lieblichen Pariser Gässchen schlendert, immer auf der Suche nach Stoff für den Geist, für Inspiration und Paris ist sehr inspirierend, die Menschen sind inspirierend, die Architektur ist inspirierend, das Gesamtkunstwerk Paris ist sehr inspirierend. Mit dem Skizzenbuch und vielleicht mit dem Laptop – heute nenne ich ihn nicht mehr beim Namen, ihr kennt ihn ja schon, meinen kleinen Helfer aus Aluminium, der silbernfarbig die Welt durch sein Antlitz erfreut – durch Paris schlendern, an einem schönen, stillen, gemütlichen Cafe sich zur Rast niederlassen, dort, wo man nur die Einheimischen vorfindet, dort, wo keine Touristen ihr ‘Unwesen’ treiben, dort in Paris einzutauchen, in dieses ganz besondere Flair dieser Stadt. In das Paris der Liebe, in das Paris der Künste und in das Paris der Inspiration. Die Menschen still und unauffällig beobachtend, zuhörend, was sie zu sagen haben, was sie bewegt, erfreut, welche Schicksale und Dramen, Freuden und Momente sie erlebten und noch erleben werden, wenn sie über ihre zukünftigen Vorhaben sprechen, den Puls der Zeit inhalierend, diesen kreativen Nährboden förmlich aufsaugend, um daraus Zeilen, Sätze, Kapitel und Bücher entstehen zu lassen, die Dinge nieder zuschreiben, die festgehalten werden müssen. Vielleicht eine Bildidee daraus entstehen zu lassen, das wäre mal etwas, das wäre mal eine andere Gangart, das wäre mal Lebensqualität. Zumindest in der Vorstellung, wie es tatsächlich wäre, ja, das müsste nochmal genauer unter die Lupe genommen werden. Aber die Träumerei ist ja schließlich das, was uns beflügelt, was uns herausreisst, was uns weiterbringt in das Reich der Phantasie. Aus diesen Parisimpressionen dann Bilder, die es vorher noch nicht gab, entstehen zu lassen, Texte das Licht der Welt erblicken zu lassen, da sie vorher noch niemand formulierte, noch niemand sich die Mühe machte diese scheinbaren Belanglosigkeiten festzuhalten, das wäre mal wirklich spannend zu leben, zu erleben. Was ist Kreativität? Das frage ich mich auch schon die ganze Zeit und ich kann es euch nicht sagen, ich weiß nicht, ob es kreativ ist, wenn man ein Bild malt und seine Idee umsetzt, die vorher noch niemand umgesetzt hat, denn manchmal glaube ich, wenn ich das nicht machen würde, dann würde es irgendwann irgendwo jemand anders tun, also ich denke, dass Dinge getan werden und einfach nur so etwas wie Aufgaben sind, ob er sie umsetzt oder ich, ist letztendlich nicht so sehr von Bedeutung. Gut, kann aber auch daran liegen, dass ich es nicht als etwas Besonderes betrachte, ich versuche mich da immer selbst etwas realistischer zu sehen… Oh, jetzt habe ich es in den Mund genommen, sprich geschrieben, realistischer, nein, bitte nicht, wir wollten doch träumen, mal nicht realistisch sein, wir wollten Visionäre sein, lasst uns zurückkehren, lasst uns träumen. Im guten, im alten, im untouristischen Paris. Lasst uns bei Louise im Cafe Platz nehmen, lasst uns einen Café au Lait bestellen, lasst uns in ihr jugendliches, süsses Gesicht blicken, das uns bezaubernd anlächelt, wenn wir im mäßig bis im schlechten Französisch bei ihr die Bestellung aufgeben, sie würde es nie direkt sagen, sie lächelt uns nur zauberhaft an und signalisiert uns, dass sie verstanden hat. Der Blick schweift im kleinen romantischen Pariser Cafe umher, das im Stil von 1960 seinen ganz speziellen Charme wirken lässt und wir sitzen auf den abgewetzten und durchgesessenen alten Lederstuhl, der selbst schon viel bessere Tage erlebt hat, aber wir genießen diesen Charme, dieses Flair, es ist so lebendig, es ist so frei.
Wie war das jetzt? Habt ihr Louise vor euch gesehen? Habt ihr das Cafe gesehen? Ich schon, aber gut, ich habe es ja auch geschrieben.

Stenor aus Cranach – skizziert, schreibt Gedanken

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