Text – Mittwoch

Es ist wieder einmal so einer dieser Mittwoche, die Mitte der Woche, wie in der Mathematik, wenn man Extremwerte berechnet, man weiss nicht, was man von halten soll, extremes Maximum oder extremes Minimum. Ei, da fallen mir die Studententage ein, wie schön war doch die Zeit in Coburg, als Student, da war Mittwoch immer GAG Zeit. Ich weiss garnicht, ob es das GAG überhaupt noch gibt, aber da war immer am Mittwoch gut was los und wo Party war, da war auch ich zumeist nicht weit von entfernt, so frei und immer in Partystimmung… Ich hatte da damals auch eine kurze, innige Liaison zu einer Coburgerin, die im GAG auch bediente, was damals als Student schon irgendwie recht praktisch war und ihre Mutter konnte kochen, das waren echte Gaumenfreuden, ja, so war ich damals, gutes Essen, war schon irgendwie wichtig, so als Student bei den ganzen Technikkrimskrams. Achja, wenn ich so an Coburg denke, wie oft Verliebt ich dort doch war, tja, Liebe als Student ist ein Kapitel für sich, denn Liebe, ja die Liebe ist ein tiefgründiges Wort und erst in den letzten Tagen als Student habe ich in Coburg dann auch meine Frau – meine Exfrau – kennen und lieben gelernt. Erst im Laufe der Jahre und im Laufe der Ehe ist mir die Liebe mit all ihren Formen und Gesichtern bekannt geworden, es gibt viele Gesichter, die uns die Liebe zeigt. Ich denke, dass eines der wichtigsten Gesichter der Liebe das Gesicht des Vertrauens ist, der Nähe ist, wenn man den Partner absolut vertrauen kann, das ist schon etwas ganz Besonderes, das ist was Tiefes, was Inniges. Jetzt bin ich bei Mittwoch und ich schreibe über die Liebe, das ist schon sehr seltsam, wie sich manchmal die Zeilen entwickeln können. Tja, die Liebe,  ich muss heute sagen, dass ich keine einzige Liebe in meinem Leben bereue und auch keiner einzigen Liebe im Nachgang böse oder sowas in der Art bin, alle diese Stationen im Leben haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich muss auch feststellen, dass die Liebe zu den Menschen, die Liebe zu den Freunden und die Liebe zu guten Gesprächen und auch das Schätzen dieser unterschiedlichen Lieben immer wichtiger für mich geworden sind, denn sie bereichern ungemein das Leben. Positiv im Leben zu stehen, lieben zu können, den Tag zu lieben, den man lebt, die Arbeit zu lieben, die man tagtäglich verrichtet, die Menschen zu lieben, die einem Tag für Tag begegnen, das hat viel mit zu tun sich selbst zu lieben. Es gibt viele Seitenhiebe, viele direkte Breitseiten, die wir im Leben abbekommen können, wer das lieben kann, es nicht zu schwer nehmen kann, der hat mehr vom Leben und kann intensiver Lieben. Ich sage euch ganz ehrlich, damals als Student, da war ich gar nicht in der Lage auch mal einen Sonnenuntergang, hoch droben auf der Feste Coburg , lieben zu können, es war zwar schön anzuschauen, aber lieben konnte ich das nicht. Vielleicht ist das mit dem lieben des Sonnenuntergangs auch etwas zu schnulzig formuliert, aber ich finde, dass es schreibtechnisch ganz gut passt, es passt irgendwie ganz gut in den Fluss dieses Liebestextes, der Liebestext an das Leben. Halt, an das Leben ja, aber an diesen Mittwoch?

Ein Mittwoch ohne Student zu sein, ohne GAG Zeit, das ist halt ein Mittwoch, wo man selbst nicht weiß, was los ist, so ganz nach dem Motto ‘weder Fisch noch Fleisch’. Aber was ist man denn dann? Tja, eben einer dieser Mittwoche. Wäre es jetzt Sommer oder Freitag, dann würde mir jetzt ein warmer Sommerwind um die Nase wehen, oder wäre ich sogar im Urlaub, vielleicht mal wieder am Gardasee oder in – ja wo denn eigentlich? – egal, Sommer, Sommerwind, das reicht ja eigentlich schon aus, ähm, halt, da habe ich dann doch noch eine Idee, an der Ostsee, da war ich 2013 zum letzten Mal im August und das war auch wunderschön. Nette, liebe Menschen um mich herum, gute Gespräche, viele schöne Wanderungen am Strand, fast jeden Tag eine Fototour mit Besichtigung der Gegend etc., ja, das war schön. Aber, jetzt ist November, heute in vier Wochen ist der Heiligabend schon wieder vorbei und die Gedanken richten sich schon fokussierter auf die Frage aller Fragen aus: ‘Wo geht es an Silvester hin?’ Naja, bei vielen, nicht bei allen, denke ich mal. Falls man es noch nicht wissen sollte und falls man diesen Toplevel-Event-Point schon geklärt hat, dann kommt die zweite aller wichtigsten Fragen des Jahres: ‘Was nehme ich mir an guten Vorsätzen fürs neue Jahr vor?’ Jetzt ist es aber immer noch Ende November, es ist ein Mittwoch, ein Mittwoch im Zeichen von ‘weder Fisch noch Fleisch’ und man könnte jetzt auch ad Hoc anfangen sich umzudrehen, anstatt in die Kiste zu schauen und diesen Text zu schreiben und aus dem Fenster blicken. Alles dunkel, Abend, oh mei. Wo ist der warme Sommerwind nur, wo ist nur dir Zeit, wo man Abends spät aus dem Büro kommt und noch mit Freunden weg gehen kann, um gemeinsam was zu unternehmen, oder sich nachts am See treffen kann, um die uns allen bekannten lauen Sommernächte zu genießen? Ja, wo ist diese Zeit, so mitten Ende November erscheint sie so irreal, so weit weg, anstatt laue Sommernächte blühen jetzt kühle bis frostige Wochenendweihnachtesmarktbesuche, die meistens schon um 20 Uhr enden, da alle Buden dicht machen und alle Teilnehmer entweder durchgefroren oder sturzbetrunken oder beides sind. Jetzt kommt sie wieder, die besinnliche Zeit, die Zeit für Familie, die Zeit wo es wieder etwas inniger, enger, kuschliger wird. Aber sehen wir es doch mal so, Mittwoch ist nur ein Tag der Woche und Freitag und Samstag folgen in Kürze auch der Winter ist nur ein Teil vom Jahr, der nächste Frühling und Sommer kommt auch ganz sicher und das schneller als wir glauben, denn manchmal frage ich mich schon, wo die Zeit nur hinrennt, wie schnell dieses Jahr doch bei mir vergangen ist, ja die liebe Zeit.

Stenor aus Cranach denkt bei einem Tee am Abend laut…

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