Text – Das Schöne ist auch im Seichten zu finden

‘Das Proletariat jubelt und grölt’. Dieser Satz ist neulich bei einer Unterhaltung mit einem meiner Kollegen gefallen als wir uns über Lyrik und Kunst unterhalten hatte. Ich fand diesen Passus in dem Moment, wo er viel, so witzig, dass ich es notieren musste, um es später für einen Text zu verwerten. So gut wie alle, eigentlich alle, Kollegen wissen, dass ich Künstler bin und ich werde auch als ein Kreativer, ein Künstler, in der UNI wahrgenommen und dementsprechend behandelt. Dieser Status öffnete mir, erstaunlicherweise, bis dato viele Türen und Tore, die ich als ‘Nichtkünstler’ höchstwahrscheinlich nie hätte betreten können. Im Laufe der Zeit und der Jahe, die ich jetzt als ein Kreativer durchs Leben schreite, stelle ich immer wieder aufs Neue fest, dass mir dies sehr entgegenkommt, denn diese Erscheinung – kreativer Mensch – entspricht dem, was ich tief im Inneren meines Herzens trage. Wenn ich das mal so formulieren müsste, dann würde ich sagen, dass mein Innerstes mit dem Äußeren übereinstimmt und ich glaube die ‘Kunst’ im Leben ist die, das zu finden, was man im Herzen trägt, um es zu leben und um es zu verwirklichen. ‘Das Proletariat jubelt und grölt’! Als ich neulich wieder einmal ein paar lyrische Zeilen von mir vorlas, sagte der Kollege nur: ‘Oh, das ist hoch, da kann man viel darunter verstehen!’ und ich wusst, was er meinte. Ich dachte nur: ‘Ok, das nächste Mal versuche ich etwas ‘seichtere’ Lyrik zu verfassen!’, um nicht zu sehr zu überfordern oder die Lust am Zuhören von Lyrik total beim Hörer auszurotten. Gesagt, getan, die nächsten lyrischen Zeilen waren verfasst und nach meinem Empfinden waren diese auch diesmal direkter, witziger, auch etwas seichter – ohne jetzt das ‘seichter’ negativ verstanden sehen zu wollen, denn selbst ich kann auch mit vielen Texten, die von Literaturgrößen verfasst wurden, nur wenig bis überhaupt nichts anfangen, da sie mir zu ‘hoch’ erscheinen, sprich zu hoch wirken. Ob seicht oder hoch, das ist eigentlich relativ egal, Kunst, Lyrik, Text sollte gefallen und das Schöne ist auch im ‘Seichten’ zu finden und wenn mir mal ein Text zwischen den Fingern gerät, der schön zu lesen ist und gut verständlich auf mich wirkt, dann bin ich auch nicht darüber erbost. Ich genieße das dann sogar sehr, denn meine ‘Alltagsschriften’ sind dann doch zumeist etwas höhere Gangart, aber gut, das ist ja sehr individuell.
Zurück zur Lyrik. Der neue Text war verfasst und für den Vortrag bereit. Ich las ihn diesmal langsamer und mit einem Lächeln auf den Lippen vor und konnte schon beim ersten Vers beim Zuhörer erkennen, dass diese Zeilen viel besser mundeten als die Vorgängerzeilen und nach dem erfolgreichen Referieren sah ich ein breites Schmunzeln, das in dem Satz: ‘Das Proletariat jubelt und grölt!’ gipfelte. Dann konnten und mussten wir beide lauthals lachen, wie schön, wenn Lyrik auch zur Heiterkeit animiert. Lachen ist nicht nur schön, es ist auch richtig gesund und in diesem Sinne lacht häufiger mal, ihr werdet dann sehen, dass die Welt danach anders erscheint.

Stenor aus Cranach

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