Text – Der Cafehausschreiber – Auf der Suche nach der Muse – Teil 1: Der Beginn

Teil 1: Der Beginn

Mein Reise beginnt in Bamberg im Cafe und zwar im Cafe esspress und ich bin am Start, am Start und offen für die Inspiration, offen für die Muse, offen, wie man offener nicht sein kann, denn im Moment spüre ich es ganz deutlich. Ich fühle die Sehnsucht nach Irgendetwas, jedoch fehlt mir noch ein passender Name, ein konkreter Sinn und ein konkretes Gespür, um es benennen zu können. Im Moment habe ich noch kein Wort, das dieses Gefühl, diesen Eindruck umschreiben könnte. Es ist irgendetwas das nicht greifbar, aber dennoch intuitiv spürbar und existent ist. Ich vernehme meine innere Stimme, die sehr unklar mit mir zu kommunizieren sucht. Sie drückt sich mehr durch Eindrücke und Gefühle aus als dass sie es in Worte, die klar und deutlich zu verstehen wären, zu verpacken sucht. Diese spezielle Situation ist sehr spannend und da ich eh ein neugieriger und interessierter Typ von Mensch bin, ich probiere gerne mal künstlerische Dinge aus, teste gerne, spiele gerne mal mit Farben und Formen, aber dieses Herumspielen und Testen ist etwas, das man greifen kann, etwas, das man begreifen kann, diese innere Wahrnehmung jedoch ist unfassbar, ungreifbar bis jetzt und diese Situation stellt mich wirklich auf eine ernsthafte Probe, denn ich kann im Prinzip nur abwarten und schauen, wie es sich entwickeln wird. Gerade in diesem Augenblick weiß ich nur, dass ich hier im Cafe sitze und bereit bin für das, was auf mich zukommt. Dieser Moment ist greifbar, fassbar, real, echt, mitten im Leben, mitten in meinem Leben ein kurzer Augenblick, aber er ist real und greifbar. Vielleicht ist es die Muse und schön wäre es, wenn dem so wäre, denn das Kreative will stimuliert werden, es will bei Laune gehalten werden, es braucht das Feuer, um zu leben. Vielleicht ist es die Inspiration, die bereits hinter der nächsten Ecke auf mich wartet, um mich wach zu küssen und um mir zu sagen: ‘Hey, ich bin’s und es wurde jetzt aber auch echt Zeit, dass du kommst. Jetzt hast du mich endlich gefunden. Ich zeige dir meine Welt, wie ich sie sehe, alter Freund!’. Die Suche nach der Muse ist ja auf einer gewissen Art eine schöne, ein sehr romantische Vorstellung, ein Traum, der zum Nachdenken und zum Innehalten einlädt. Ich glaube, da ich vor kurzem auch mit jemanden darüber gesprochen habe, dass bei mir die Muse immer eine weibliche Form von Muse sein muss, denn ich sehe es, wie es die alten Chinesen sahen und ich glaube auch, dass nur mittels Yin und Yang die Vollständigkeit erreicht wird. Nachdem ich Yang bin, muss dann wohl logischerweise meine Muse auch Yin sein, was wiederum für das Weibliche steht. Aber nicht, dass wir uns jetzt irgendwie falsch verstehen, denn das Weibliche ist hier mehr als eine Eigenschaft von irgendetwas zu sehen, es muss nicht zwangsläufig ein weiblicher Mensch dahinter stehen, es kann aber muss nicht. Gut, jetzt wird es natürlich interessant, denn der normale Westler hat hier eine etwas andere Sichtweise und es ist vielleicht nicht so einfach zu fassen, was ich damit ausdrücken möchte. Es ist auch egal, ich weiß ja im Moment nicht mal konkret, was mir da so vage am geistigen Horizont aufgezeigt wird.

Wie auch immer, im Moment bin ich da einfach offen und warte ab. Auf einer gewissen Art und Weise inspirieren mich in letzter Zeit viele Dialoge, die ich mit den unterschiedlichsten Menschen an den unterschiedlichsten Orten führen konnte. Lyrik, Texte, Bildideen sind schon aus diesem geistigen Nährboden, der durch diese Art von Austausch entstand, herangewachsen und haben ihre Eigendynamik entwickelt. Man muss nur offen sein und zuhören können, was mir nicht immer gelingt, aber ich versuche es, denn jeder Gedanke kann eine Kettenreaktion in Gang setzten und man ist schlagartig im Kreativmodus.

Vielleicht noch ein kurzer Gedankengang zum Lebenszyklus einer Muse und hierzu muss ich jetzt ganz allgemein beginnen. Manchmal bin ich mir im Leben nicht so sicher, ob man immer den nächsten Schritt auch wirklich gehen sollte, denn ich habe schon Situationen erlebt, an denen man hätte besser stehen bleiben sollen. Die Frage ist halt immer, wann hat man den perfekten Punkt erreicht?! Ihr kennt das bestimmt, es ist perfekt, alles ist stimmig, man geht den nächsten Schritt, hat vielleicht für eine Millisekunde nachgedacht und beim Schreiten spürt man bereits, dass man im Begriff ist alles kaputt zu machen, aber man ist so im Fluss, dass nicht mehr gestoppt werden kann. Was folgt kennen wir sicher alle. Wüsste man doch immer im Vorfeld, wann der Zustand der Perfektion erreicht ist, so dass man, wenn es am besten ist, nicht den immer wiederkehrenden Fehler begeht und zwar den Fehler den Todesstoßes zu setzen. Diese Situation habe ich schon häufig beim Malen erlebt. Das Bildwerk war eigentlich fertig, aber man hat nicht bemerkt, dass man sich genau an diesem Punkt befand und man setzte an und der Todesstoßpinselstrich war auf die Leinwand gemalt. In diesem Augenblick hatte man für eine Millisekunde gefühlt, dass das Bild ab jetzt nur noch schlechter werden kann, aber man war so im Fluss, dass ein Halt unmöglich war. Gut, nicht jeder ist jetzt auch ein Maler und so nehmen wir doch mal lieber die zwischenmenschlichen Beziehungen als Beispiel. Man lernt jemanden kennen, man versteht sich sehr gut, es passt irgendwie sehr viel und vielleicht hat man gerade seine Muse getroffen, man ist innerlich bewegt, erfreut, dennoch spürt man etwas, man spürt etwas unbewusstes, man weiß aber nicht, was es ist und beachtet es nicht. Die zwischenmenschliche Beziehung nimmt ihren Lauf und man geht schrittweise voran und irgendwann ist der Schritt, an dem es nicht mehr besser werden kann, erreicht. Leider weiß man das im konkreten Fall selten bis nie und man ist dann so im Trott gefangen und geht einfach weiter ohne bemerkt zu haben, dass man gerade den Punkt der Perfektion erreicht hat und er wird angesetzt, der Todesstoß für diese zwischenmenschliche Beziehung wird vollzogen. Das ist dann der Beginn vom Ende. Nun gut, ich bin auf der Suche nach der Muse, weiß aber nicht, ob es tatsächlich die Muse ist, die mir da vor meinem geistigen Auge vage am Horizont erscheint, vielmehr weiß ich überhaupt nichts. Ich weiß nur, dass ich hier im Cafe sitze, mir Gedanken mache, die vielleicht sogar überflüssig sind und vielleicht sollte ich doch lieber die Dinge ihrem Lauf überlassen und warten. Aber gut, ich glaube es ist einfach zu viel im Fluss als das ich stoppen könnte, denn dieser Artikel ist jetzt so gut wie fertig und ich schreibe ja gerade über eine Reise, eine Suche. Ich schreibe über die Suche nach der Muse – Teil 1: Der Beginn und ich bin in Bewegung. Jetzt bin ich mal gespannt, was Teil 2 werden wird, denn in diesem Augenblick weiß ich, dass ich nichts weiß und der Teil 2 ist noch im absoluten Zukunftsnebel.

Stenro aus Cranach schreibt

Teil 2: Die ersten Schritte – das Geheimnis von Leipzig

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