Text – Der Cafehausschreiber – Auf der Suche nach der Muse – Teil 2: Die ersten Schritte – das Geheimnis von Leipzig

Teil 1: Der Beginn

Teil 2: Die ersten Schritte – das Geheimnis von Leipzig

Der Cafehausschreiber ist wieder einmal unterwegs, wieder einmal in einem Cafe und wie es sich so langsam mittwochs zum ‘Standard’ entwickelt, auch an diesem Mittwochabend befinde ich mich in Bamberg und jetzt ratet mal welches Cafe ich heute Abend zum Schreiben gewählt habe? Cafe Müller oder dann doch Cafe esspress oder etwas Neues? Ich befinde mich im Cafe esspress! Na, hättet ihr das jetzt erwartet? Vielleicht, vielleicht auch nicht – auf die Erwartungen komme ich später noch einmal zu sprechen -, aber egal, denn bestimmt kennt nicht jeder von euch die Cafes in denen ich schreibe. Schreiben, wer schreibt, der hat etwas zu erzählen, der trägt Geschichten in sich, Themen, die besprochen werden möchten, Dinge die einfach ausformuliert und geschrieben werden müssen, die an die Öffentlichkeit müssen und irgendwie ist es ein befreiendes Gefühl die Dinge zu formulieren, in Sprach zu verpacken und greifbar, begreifbar zu machen. Ich glaube sowieso, dass Gedanken formuliert werden wollen, Geschichten wollen in die Kleider der Sprache schlüpfen und sie wollen aufgeführt werden auf der schriftstellerischen Bühne, sie wollen unter die Menschen und sie möchten ins Rampenlicht, sie wollen beachtet werden. Meine Geschichten, meine Erzählungen sind irgendwie wie ich selbst, wir sind uns sehr ähnlich in der Art und Weise, wie wir uns in der Welt zeigen und bewegen, wie wir auf die Bühne treten, auf die Bühne des Lebens. Eigentlich, wenn ich es so sehe, gibt es viele unterschiedliche Bühnen hier auf dieser Welt; Showbühnen auf denen – mehr oder weniger – zeitgleich eigene Stücke aufgeführt werden. Alles ist wie ein Spiel, besser gesagt zum Teil wie ein Spiel und manchmal sind wir, ob wir es wollen oder nicht, Schauspieler und wir spielen eine Rolle. Ich frage mich häufiger, wie bewusst uns allen diese Tatsache wohl ist, dass wir Rollen spielen und unsere Geschichten erzählen, darstellerisch zeigen. Menschen, die Geschichten in sich tragen, sind sehr interessant und spannend für mich und man sagt ja, dass die Augen ein Spiegelbild der Seele seien und was mir häufig aufgefallen ist, was ich häufig in den Augen sehe, das sind die Geschichten. Ich sehe, ob ein Mensch Geschichten in sich trägt oder nicht, wenn er vor mir sitzt. Mit Menschen, die Geschichten in sich tragen, wird’s zumeist spannend und kurzweilig, denn dann prallen gesammelte Werke, Bücher mit ihren Geschichten aufeinander und die Zeit verfliegt beim Reden so schnell, dass man meinen möchte die Zeit wurde beschleunigt. Ich mag Menschen, die etwas zu erzählen haben, die spannend sind, die etwas erlebt haben, die Charakter und Charisma haben. Ich finde Menschen mit dem gewissen Etwas viel schöner als viele Modelltypen, die zwar schön aussehen, aber irgendwie inhaltsleer wirken, ihr kennt das sicher. Ich glaube, dass viele Sprichwörter stimmen und im Bezug auf die Schönheit gibt es ja auch viele, wie dieses hier: ‘Wahre Schönheit kommt von innen!’ Ist absolut richtig aus meiner Sicht.

Geschichten sind wie Reisen, wie gedankliche Reisen auf die man sich als Leser begibt und das häufig ohne zu wissen wohin die meisten literarischen Reisen führen werden. Reisen, das ist jetzt auch mein Stichwort, denn jede Reise und ist sie auch noch so lange, beginnt mit dem ersten Schritt. Gut, ich bin ja gedanklich etwas chinesisch angehaucht und übe seit fast einem Jahrzehnt Qigong und so mag es an dieser Stelle nicht groß erstaunen, dass ich hier ein Zitat erwähne, das aus diesem Kulturkreis stammt. Im Original lautet es wie folgt: ‘Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.’ (Laozi, 6. Jh. v.Chr. und ist im Daodejing oder Tao Te King zu finden). Meinen ersten Schritt habe ich nun definitiv auf der Suche nach der Muse hinter mir. Viel mehr waren es ein paar Schritte, vielleicht war es sogar schon ein Teilstück vom Gesamtweg. Es war in Leipzig und das völlig unerwartet, aber ich bin nach wie vor offen für das, was kommt, offen bin ich ja eigentlich eh schon immer gewesen. Also, es war zwar unerwartet, aber irgendwie bin ich dann doch in Lauerstellung und Leipzig hat mir etwas sehr schönes Aufgezeigt, es hat mich vielmehr an etwas erinnert, das ich so nicht erwartet hätte und das ich es gerade in dieser Stadt unter diesen Umständen wieder entdecken würde, das war für mich absolut überraschend. Jetzt ein paar Tage nach diesem Leipzigwochenende weiss ich, dass es ein Stück, ein Puzzlestück vom Gesamtbild war, das dort von mir entdeckt wurde. Im Leben ist es schon manchmal sehr  interessant, wie die Dinge laufen, denn eigentlich war ich so gesehen gar nicht auf der Suche nach der Muse in Leipzig, vielmehr war dieser Besuch als ein Opernbesuch geplant gewesen und ich als ein alter Wagnerfan bin ja irgendwie immer daran interessiert Wagneropern zu sehen, die gut inszeniert sind und schau da schon regelmäßiger nach, wo gute Wagneropern aufgeführt werden und deren Inszenierungen annehmbar sind und so kam es, dass ich mir Rheingold in Leipzig ansah.

Im Normalfall haben wir immer gewisse Erwartungen, wenn wir uns etwas Kulturelles anschauen oder anhören. Wer in die Oper, ins Theater oder auf ein Konzert geht, der hat meistens eine gewisse Erwartungshaltung, eine Vorstellung von der Vorstellung, wie es zu sein hat oder wie es sein sollte. Viele haben das, ich auch, aber versuche es mir abzugewöhnen! Denn ich bin im Laufe meiner Wagnerzeit schon so oft vor den Kopf gestoßen worden durch Inszenierungen – dank der ‘wunderbaren’ Form des Regietheaters -, so dass ich einfach versuche diese Erwartungshaltung aufzugeben. Manchmal war es sogar so extravagant, dass ich meine Augen schloss, um mich auf die Oper besser konzentrieren zu können. Die Musik, die Oper, die Texte von Wagner, sie sagen mir freilich sehr zu, viele haben zwar Vorurteile, aber wer sich mit den Opern von ihm etwas genauer beschäftigt, der bekommt meistens eine andere Sichtweise, denn bei einer genaueren Betrachtung der Opern wird man erkennen, dass das Thema – Rechts – gar nicht so vorkommt, wie viele denken, wenn man es objektiv betrachtet. Sein und Schein sind halt immer noch zwei unterschiedliche Dinge.

Zurück zur Stadt. Bei Leipzig denken viele an Bach und an Mendelson, vielleicht auch noch an Schiller und an Goethe, aber man darf nicht vergessen, dass kein geringerer als Richard Wagner selbst in Leipzig geboren wurde – er ist also ein richtiger, ein echter Leipziger. Ich weiß ja nicht, ob ihr meine Texte zu Leipzig hier im Blog gelesen habt oder nicht, aber was ich wirklich über Leipzig sagen kann ist, dass ich jetzt absolut fasziniert von dieser Stadt und von den Menschen dort bin. Beim Schreiben meiner Texte über Leipzig und besonders der Text, den ich auf der Rückfahrt im Zug schrieb, hat man sicherlich deutlich gemerkt, wie fasziniert und gefangen ich vom Bann dieser Stadt und von den Menschen dort war. Ich kann’s ja immer noch nicht so richtig einordnen, aber vielleicht ist das genau so gut, wie es ist, denn eins ist absolut sicher, es ist sicher, dass ich Leipzig noch ein paar mal besuchen möchte. Meine Neugier auf die Menschen und auf Leipzig ist geweckt. Auf der Suche nach der Muse bin ich so gesehen an diesem Leipzigwochenende nicht gewesen, aber jetzt treibt mich ein inneres ‘Gefühl’ umher und zieht mich dort hin.

Leider gibt es das Geburtshaus von R. Wagner nicht mehr, so dass ich unmöglich auf dieser Fährte wandeln kann, um das Geheimnis von Leipzig zu lüften. Aber dennoch gab es dort so viele markante Eindrücke und Wahrnehmungen, so dass viele andere Fährten in mein Blickfeld gerieten, die nur darauf warten von mir entdeckt und beschritten zu werden. Interessante Cafes für den Einsatz des Cafehausschreibers habe ich auch zuhauf gefunden und viele erinnerten mich an Paris. Paris, meine zweite Liebe, ich kann jetzt das Pariser Cafehausgefühl, das ganz Spezielle von Paris erleben und das gerade mal 160 km von meinem Wohnort entfernt. Was hält mich eigentlich gerade hier noch auf dem Stuhl fest? Auf nach Leipzig… Nein, so einfach ist’s dann auch wieder nicht, denn auch Spontanität will geplant sein (kleiner Scherz). Ja dieser Ort ist jetzt mit mir verbunden und ich habe den Eindruck, dass ich bald wieder dort sein werde, bald wieder im Cafe Wagner sitze, um mein nettes Gespräch mit der Bedienung weiterzuführen, vielleicht um es zu beenden, bald wieder dort bin, um im Ostalgieladen mit der netten Verkäuferin zu sprechen und um sie zu fragen, ob sie beim Projekt portraitmensch.de mitmachen möchte, bald wieder dort bin, um im Frühjahr mit meiner guten, sehr kreativen, netten, interessanten, Freundin C. über Leipzig, über das Leben, über die Kunst, über den Sinn des Lebens, über die Menschen und über Gott weiß was zu reden, wie wir dies früher immer während meiner Studentenzeit in Coburg in unzähligen Stunden taten. Ihr müsst wissen, sie ist Architektin, die in Leipzig lebt und arbeitet, sehr kreativ und überaus intelligent ist und auch noch das gewisse Etwas in ihren Augen hat.  Das ist eine seltene Mischung, die man nicht so häufig findet – aber gut, das ist ja sowieso immer alles sehr relativ und ich als alter Romantiker bin da bestimmt vorbelastet und befangen. Vielleicht erzähle ich ihr dann auch mal etwas über die Muse, über meine Sichtweise zu Leipzig, denn es gibt da Seiten an mir, die sie definitiv noch nicht kennt, obwohl sie mich dann doch wiederum sehr gut kennt, irgendwie, wie es damals war, ich war da schon sehr offen ihr gegenüber und wir haben uns da schon auf eine sehr tiefgehenden Art gut verstanden. Manchmal gibt es so etwas im Leben, es gibt Menschen, die einfach sehr vertraut sind. Vertrautheit, wenn einem so etwas begegnet, dann ist das etwas Besonderes, das man schätzen sollte.

Im Moment gibt es gerade einmal Teil 2 von – Auf der Suche nach der Muse – und die Suche, die wiederum doch keine ist, oder dann doch wieder irgendwie – ein ewiges Zerwürfnis?! Ein konfuses, aber auch ein interessantes, wenn’s denn eines ist. Ach was, ich weiß das selbst irgendwie nicht und klar ist, dass nichts klar ist, vielmehr sich ständig alles abwechselt. Man denkt es wird klarer und schlagartig sitzt man noch tiefer im Nebel und umgekehrt. Der Fluss des Lebens fließt und innerhalb der letzten Tage, innerhalb des Zeitraums zwischen Teil 1 und Teil 2 von – Auf der Suche nach der Muse -, ereigneten sich sehr interessante und von mir unerwartete Dinge. Ich vermute mal entweder, da ich jetzt achtsamer bin oder, da es einfach so sein soll – Gott weiß warum. Mal schauen, wie es weitergeht. Offen und auf der Suche nach der Muse, das ist schon irgendwie eine interessante schriftstellerische Ausgangssituation oder Fragestellung und alles ist noch offen.

Was ist nun das Geheimnis von Leipzig? Aufmerksame Leser unter euch haben es sicher schon bemerkt, was ich in Leipzig entdeckt, sprich erfahren habe. Ich habe dort die Herzlichkeit der Menschen entdeckt, wieder entdeckt und diese Herzlichkeit ist sowas von echt, sie ist überhaupt nicht gespielt, sie ist wahrhaftig. In Leipzig liegt etwas, irgendetwas in der Luft, das sehr gut ist, das eine sehr gute Wirkung ausübt, das sich sehr gut anfühlt. Ich glaube es ist die Freiheit, der Gedanke von Freiheit, es ist die Herzlichkeit und ich glaube, dass das zum Großteil an den Menschen in Leipzig liegt. Dort sind gute Menschen, nette Menschen, herzliche Menschen. Auf der Suche nach der Muse und ich habe die Herzlichkeit der Menschen und den Gedanken der Freiheit entdeckt und das mitten in Leipzig. Die Suche geht weiter und wie heisst es so schön? Wer suchet, der findet und ja, das stimmt.

Stenor aus Leipzig – nun gut aus Cranach – aber der Witz musste jetzt einfach sein (heut mal etwas witziger aufgelegt…)

Teil 2,5: In Bewegung, alles ist in Bewegung

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