Text – Der Cafehausschreiber – der MacBook Faktor

Heute ist weder Samstag noch ist Sonntag und ich verweile dennoch im Cafe. Nicht, wie gewohnt in Kronach in meinem geliebten Lorla, nein, heute an diesem Mittwoch befinde ich mich in Bamberg in der Austrasse im Cafe Müller. Im gefühlten Bamberger Cafehauszentrum. Manche mögen jetzt denken – er muss Zeit haben -, denn bereits gestern war ich ebenfalls hier in dieser wunderbaren alten Wiener Cafehauslokalität. Jedoch war gestern der ‘Oldstylemode’ angesagt, eher etwas unfreiwillig, denn im Normalfall habe ich zumeist meinen Mac dabei, aber da war ich ausnahmsweise nur mit meinem Skizzenbuch und mit meinem Füller bewaffnet, so richtig klassisch halt, wie man es von früher her noch kennt, im ‘oldstyle’ halt. Am Vortag wollte ich eigentlich nur mal relaxen und die Stimmung und die Lage in Bamberg abchecken, Land und Leute mal auf mich wirken lassen, aber ich habe dann doch ein paar Zeilen verfasst, ein paar Notizen erstellt und eine Lyrik zu Papier gebracht. Mit anderen Worten, der Test gestern viel äußerst positiv aus, denn nun sitze ich keine 24 Stunden später wieder hier, wieder hier am selben Platz und schreibe. Diesmal jedoch perfekt ausgerüstet und bereit für den Kampf mit den Wörtern, es ist jedesmal ein Kampf, denn das, was sich im Kopf, im Geist befindet dann auch so, wie gedacht, zu Papier zu bringen, das ist häufig wie Krieg und heute bin ich präpariert, nicht wie gestern mit mittelalterlicher Gerätschaft am werkeln, nicht wieder ‘oldstyle’, nein, heute bin ich modernst ausgestattet mit meinem heiß geliebten kleinen silbernen Helferchen. Ja, richtig, mit meinem MacBookAir sitze ich hier und schreibe. Vielmehr kämpfe ich, denn ich kämpfe mit der Geräuschkulisse, die im Vergleich zum Lorla in Kronach bedeutend stärker in den Vordergrund tritt. Mit anderen Worten, die Messlatte für den Cafehausschreiber wurde jetzt durch die äußeren Umstände höher gelegt und der Schwierigkeitsgrad hat deutlich zugenommen. Aber der Charme, das Liebreizende, die Stimmung, die Menschen, eigentlich so ziemlich alles ist auch im Moment spannender, inspirierender aber auch fordernder. Bamberg ein studentisches Zentrum und eine Stadt mit Leben, ein Cafehaus mit Leben und gefühlt hat sich jetzt dieses Leben auf dieses Cafehaus gestürzt und die Geräusche und der Lärm spielen ihr Spiel mit mir und wollen mich daran hindern zu schreiben. Einer wagt es diesen Kampf aufzunehmen und sitzt hier und schreibt, versucht zu schreiben und er schreibt auf seinem silbernen MacBookAir und schaut und beobachte um sich herum, ob es diesen MacBook Faktor gibt. Ich glaube hier gibt es ihn nicht, denn ich kann keinerlei Anzeichen erkennen, die auf diesen MacBook Faktor schließen lassen würden. Ich kann hier keine sonderlichen Beachtungsversuche wahrnehmen, die auf das kleine silberne Teil vor mir zielen, es sind keine Auffälligkeiten erkennbar, der MacBook Faktor ist hier nicht mit von der Partie. Zumindest an diesem Abend, in diesem Cafehaus in Bamberg. Muss das jetzt bedeuten, dass es diesen Faktor nicht gibt? Gab es ihn jemals? Ich glaube ja, es gab noch Zeiten, in denen die Produkte von Apple unter Künstlern und Designer vorherrschend verwendet wurden und ein gewisses ‘Edelimage’ besaßen, aber jetzt, in dieser Zeit, wo iPhones an jeder Ecke zu finden sind, jeder scheint eines zu besitzen und fast schon jeder ‘normale’ Student ist im Besitz von mindestens einem Applegerät. MacBooks und die leuchtenden Äpfel sieht man auf vielen Tischen in den Mensen, Cafeten, Seminarräumen an den UNIs. Ich würde sagen, der Glanz des Apfels ist etwas verblasst, er strahlt nicht mehr so hell.

Mein Kampf ist jetzt immer stärker geworden, daher bring ich jetzt die Sache schnell mal auf den Punkt, auf meinen Punkt, denn die Lautstärke ist so hoch, dass sich meine Konzentration im Keller befindet und ein geordnetes Schreiben einfach nicht mehr möglich ist. Es freut mich ja, da Menschen vor die Tür gehen, ihre sozialen Kontakte pflegen, aber ich gebe jetzt auf, das Schreiben macht einfach hier und jetzt keinen Sinn mehr, denn im Moment schreib ich schlechter Deutsch als ich denken kann und es wird schwer wie Blei, um ein paar Zeilen zu verfassen.

Der Gedanke ist eigentlich sehr interessant und den Feldversuch, den MacBook Faktor auf die Schliche zu kommen, den werde ich wohl noch weiter führen müssen, um eine hinreichende Antwort für mich zu finden. Hier im Cafe Müller gibt es ihn jedenfalls nicht, nicht an diesem Mittwoch, nicht hier in Bamberg, nicht hier um diese Uhrzeit im Cafe. Ich werde wohl noch einen weiteren Teil zum MacBook Faktor schreiben müssen. Es bleibt spannend. Auf der Suche nach Inspiration, auf der Suche nach dem MacBook Faktor. Werde ich sie finden? Inspiration kommt bei mir häufig von anderen Menschen, werde ich hier welche kennen lernen? Werde ich interessante Geschichten erfahren, werde ich interessant Frauen, Studenten, Männer, Menschen aus dem Alltag begegnen, die mir ihre Geschichten erzählen, Geschichten und Dinge aus dem Alltag, Trauer, Freude, Leid, Erfolg, Misserfolg… Ich bin gespannt, was noch so auf mich zukommt. Ein Geschichtenerzähler und ein guter Zuhörer auf der Suche… Vielleicht begegne ich ja mal jemanden von euch, vielleicht höre ich Geschichten von euch, Begebenheiten aus eurem Leben, denn im Moment bin ich auf der Suche nach Inspiration, auf der Suche nach dem MacBook Faktor. Es bleibt spannend…

Stenor aus Cranach aus dem Cafe, wo es keinen gefühlten MacBook Faktor gibt…

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