Atelierschreiber – Da ich heute so schön lange gemalt habe – Erinnerungen an Paris und an einen ganz besonderen Menschen

So, jetzt habe ich fast den ganzen Tag gemalt und sitze auch noch am Abend hier und fröne meiner zweiten Leidenschaft, ich fröne dem Schreiben. Eigentlich dachte ich, dass ich aus dem Atelier in Kronach, bei meiner sehr liebenswerten und guten Künstlerfreundin Miri den ersten Beitrag schreiben würde, aber ich habe mich so langsam daran gewöhnt und damit abgefunden, dass im Leben die Dinge häufig anders laufen, anders als man denkt oder als man es gerne haben möchte und nun sitze ich hier in meinem Atelier, der Holzofen ‘lunnet’ vor sich hin und ich schreibe wieder über mich. Schreiben ist wie stripties, wissen muss man’s halt und sich darüber im klaren sein, dass man halt viel von sich preisgibt. Aber gut, wer künstlerisch tätig ist, der hat Publikum, der hat Interessierte und der hat Aufmerksamkeit und es ist halt so, wie es ist. Der Tag, der Sonntag, der Innbegriff von Melancholie, wenn nicht gerade Sommer ist, den habe ich jetzt hinter mich gebracht und wenn ich jetzt auf das Wochenende und auf den heutigen Sonntag zurückblicke, so muss ich feststellen, dass von Melancholie nicht mal ein Molekül in der Luft lag und ich vermute jetzt, dass das daran lag, da ich heute mal wieder richtig entspannt malen konnte. Das Malen, eine Leidenschaft von mir, die mich wirklich erfüllt. Nur leider gäbe es da noch so viel an Technik, Know How, Handwerkszeug zu erlernen, so dass mir, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, schon die Schweißperlen auf die Stirn treten. Aber ich seh’s dann auch wieder entspannt, denn sobald ich den Pinsel in die Hand nehme, muss ich einfach malen, dann leg ich meistens die Fachbücher wieder zur Seite und male einfach, einfach und intuitiv, so wie der liebe Richard Wagner, er spielte auch lieber Klavier als sich mit der Theorie und der Übung auseinander zu setzen. Letztendlich konnte er zwar spielen, aber in den späteren Jahren trauerte er schon manchmal dieser Lernzeit hinterher und wünschte sich häufiger mal er hätte damals etwas mehr in die Übung und in das Lernen der Theorie investiert. Tsja Richard, in vielen Punkten sind wir beide uns sehr ähnlich und es wäre sicher sehr spannend gewesen, wenn wir uns mal beide getroffen hätten.

Gut, Richard, ich muss dich jetzt leider, auch wenn es deinem Ego nicht gefallen würde, wieder zur Seite legen und über mich schreiben, über die aktuelle Stimmung, denn wir alle erleben soeben die Geburtsstunde vom Atelierschreiber. Gut, geboren wurde er ja schon, seine Idee ist schon unter uns, sie lebt, aber mit Leben füllen, das geschieht in diesem Augenblick, er beginnt lebendig zu werden und irgendwie passt das ja jetzt, da ich heute mal wieder einen Maltag eingelegt habe und jetzt nach vollbrachter Tätigkeit bei mir im Atelier mit einer Tasse Tee über Gott und die Welt nachdenke und dabei neue Figuren von mir entstehen lasse.

Paris, das Foto hier zeigt eine Tasse, auf der nicht nur Paris steht, nein, sie wurde auch in Paris von mir gekauft, aber das Cafe nenne ich jetzt nicht beim Namen, da es es schon kaum noch an Werbung bedarf, denn die gesamte Jungend ist heiss auf diesen Landen. Eine schöne Tasse und wenn ich sie so anschaue, so kommen mir die Erinnerungen hoch und ich sehe es noch als sei es gestern gewesen vor meinem geistigen Auge. Paris, sie ist nicht nur die Stadt der Liebe, Paris ist die Stadt der Erinnerungen, zumindest für mich. Erinnerungen, ihr wisst das Foto 06.03.16, 20 14 16noch nicht so ganz genau von mir, aber ich bin manchmal ein elendiger sentimentaler und romantischer Mensch und häufig bin ich sehr nachdenkend und schweigsam, auch, wenn sich das sicher manche von euch kaum vorstellen können, aber ja, es gibt auch den ruhigen Teil von mir, der ist etwas anderes, der ist in sich gekehrter, der ist ruhig und redet nicht viel. Wenn ich etwas Künstlerisches, ein Werk, vollendet habe, dann denke ich häufig an die Menschen, an die Menschen, die in meinem Leben sind und an die, die in meinem Leben mal waren. Jedesmal, wenn ein Kunstwerk fertig wurde, denke ich nach, es ist wie nach der Geburt eines Kindes. Ich muss da zwar nicht weinen, aber ich muss nachdenken, es ist, als wäre ein kleiner Teil von mir im Kunstwerk und es fängt an im Kopf zu werkeln. Manchmal gesellen sich zum Nachdenken auch sentimentale Augenblicke aus der Erinnerung hinzu und ergeben einen gedanklichen Mischmasch, der häufig auch inspiriert. Diesmal ist es, da ich die Tasse gerade vor Augen habe, meine Exfrau, die sich gedanklich hinzugesellt zum Innehalten, zum Nachdenken, denn sie war dabei als die Tasse gekauft wurde und ich erinnere mich gerade daran, als wir beide mit total platten Füßen irgendwo in Paris saßen und einen Cafe tranken. Ich wollte gar nicht mehr aufstehen, einfach sitzen bleiben und die Füße Füße sein lassen, aber Anke hat mich dann doch noch irgendwie motiviert, so dass wir beide aufstanden und weitergingen. Wenn ich weiterdenke, fällt mir dabei auch sehr stark auf, dass ich in ihrer Gegenwart eigentlich immer sehr ruhig war, es war wie Heimat, es war wie ein Hafen im Leben. Aber es war und jetzt ist es und das ist es, ist genau gut so, wie es ist, denn das Leben hat seinen eigenen Zweck und Sinn, den wir leben müssen. In meiner chinesischen Philosophie, die mir mein Meister beibrachte, ist sowieso der Gedanke an das Schicksal ein Gesichtspunkt, der nicht mehr wegzudenken ist für mich, denn das Leben muss von uns so gelebt werden, wie es gedacht war. Das wird jetzt etwas schwierig in Worte zu fassen und es gäbe, wenn ich es versuchen würde, die Gefahr, dass ich mich mit dem Text und seiner Textlänge sowas von verzetteln könnte, so dass ich nur folgendes sage. Das leben ist für jeden von uns arrangiert und wir müssen dem Lauf des Lebens folgen, so wie es vorgesehen ist. Kleinigkeiten liegen in unser aller Hände, jedoch können wir kaum etwas an den Meilensteinen verändern, denn es gibt das Karma und das bestimmt unseren Lauf und Verlauf. Hört sich vielleicht für mache von euch schwer zu verdauen und auch schwer zu akzeptieren an, aber es hat auch, wie alles, seine guten Seiten. Die gute Seite ist, wenn ich es so sehe, wie ich es soeben schrieb, kann ich den Lauf des Lebens akzeptieren und sehe in vielen Dingen einen Sinn und ich sehe in allen Dingen etwas Gutes, was zugegeben mein Leben und meine Sicht vom Leben sehr positiv verändert hat, denn seitdem ich es so sehe, bin ich relativ entspannt und so gesehen gibt es auch keine Feinde mehr, vielmehr sind alles Menschen, die mir dabei helfen mein Karma zu beseitigen und Karma, das will keiner haben, wer es hat, muss es abtragen und das hat immer etwas mit Leid zu tun. Aber, das Karma hat man auch selbst verursacht, insofern bin ich da nur dabei mein eigenes Karma zu beseitigen und am Besten ist es, wenn man weniger Karma schafft und mehr Karma im Leben abbaut, denn die Rechnung, die kommt immer zum Schluß. Also gut, was ich jetzt damit sagen wollte, das Leben ist wie es ist, man muss seinen eigenen Weg gehen. Den muss man nichtmal finden, denn selbst, wenn man glaubt, dass man ihn noch nicht gefunden hat, geht man ihn schon. Gut, der Atelierschreiber ist da jetzt, muss ich feststellen, etwas anders als der Cafehausschreiber. Der Eine ist noch jung, wohingegen der Andere reifer ist, das merkt man halt…

Anke, sie war und ist auch ein ganz besonderer Mensch und ich weiss, sie hatte es oft nicht so leicht mit mir, denn ich bin in vielen Punkten ein extremer Mensch, halbe Sachen gibt es nicht und ich glaube die wird es auch nie bei mir geben, auch wenn viele sagen würden – ‘Sag niemals nie’. Bei mir ist es halt so, wie in der IT. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es auch aus vollem Herzen und mit kindlicher Begeisterung. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzte habe und der Meinung bin, dass es wichtig ist, dann mach ich es auch und damit muss man auch erstmal zurechtkommen. Das Leben, die Liebe, die Menschen, eigentlich ist alles liebenswert, denn mit jedem Abschnitt werden wir reifer und reifer, wie ein guter Wein mit viel Gehalt. Ein paar Zeilen geschrieben, recht fertig sind sie zwar noch nicht, aber ich schaue gerade auf die Uhr und eigentlich wollte ich heute noch ein paar andere Dinge erledigen. Aber das Schreiben war jetzt völlig spontan und irgendwie auch notwendig. Es kommt halt immer anders als man denkt… Das nennt sich dann Leben. Sei’s drum, heute habe ich auf alle Fälle was geschaffen, erschaffen, hier ist es, das Werk. Das Werk, das Altsünden aus meinem Malerdasein auszugleichen versucht. Sprich, ich habe etwas übermalt…

Foto 06.03.16, 18 03 52

Stenor aus Cranach

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