Text – Der Atelierschreiber trifft auf den Cafehausschreiber – Heimatgedanken

Ich fang mal so an, hahaha… Jetzt schreib ich und dann nach 30 Minuten stell ich den Text online. Ganz egal, was er für eine Form hat und ganz egal in welchem Stadium er sich befindet, denn so lange, wie er jetzt schon auf Halde liegt und so oft, wie ich jetzt an ihm herum schreibe, er muss endlich raus aus meinem Blick- und Sichtfeld. Irgendwo, irgendwann in einem Cafe begonnen und zwischenzeitlich auch mal im Atelier geschrieben, dann wieder im Cafe weitergeschrieben, unzählige Male und jetzt wieder im Atelier – mitten in der Nacht sitzend und schreibend – muss er dann raus, raus unters Volk, raus an die Welt und die Luft der Blogwelt schnuppern.

So fing ich den Text irgendwann mal an:
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Nun bin ich mal wieder unterwegs und ich tanze wieder auf schriftstellerischen Boden herum. Zu kubanischen Klängen. Salsa ist die musikalische Waffe, die ich heute wählte, um schriftstellerisches Klima in meinem Kopf zu erzeugen, denn ich als Cafehausschreiber habe nach wie vor den Drahtseilakt zu meistern den notwendigen schriftstellerischen Rahmen zu erzeugen. Häufig finde ich mich im Cafe in einer Umgebung wieder, die das Schreiben eigentlich sehr schwer gestaltet und manchmal sogar völlig unmöglich macht.
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Zwischengedankengang, irgendwann, irgendwo geschrieben:
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Ist schon fast irgendwie lustig, denn diesen Text hier habe ich schon so lange auf Halde und habe schon so oft daran herumgeschrieben, dass mir so langsam der Überblick abhanden kommt. Umgeschrieben, umgestellt, Textblöcke wuchern wie Unkraut und ohne Zusammenhang hier in der Blogapp herum und zeigen mir deutlichst, dass, wenn dieser Text nicht endlich online gestellt wird, er zur Karteileicher verdonnert ist.
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Konfusion geht weiter, wieder irgendwo, irgendwann geschrieben:
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Abschnitt eins von diesem geistigen Erguss hier habe ich vor zig Wochen angefangen und damals hörte ich noch Salsa in Kronach in einem meiner Lieblingscafes – in Katjas Cafe – jetzt sitze ich zu Klängen von Rod Stewart im Lorla und schreibe weiter am Text. Interessant und den Gedankenfaden immer wieder aufzugreifen ist schon nicht ganz so einfach, über was wollte ich gleich nochmal schreiben???
Gut, ein Blick auf die Überschrift sagt mir, es dreht sich um Heimat und um Gedanken und wenn man es in Kombination sieht, dann eben Heimatgedanken. Ziemlich ideal sind auch im Bezug zu diesem Artikel die gestrigen Eidrücke, die ich während meines Tagesausflugs nach Leipzig zur Buchmesse sammeln konnte, denn nach Leipzig fuhr ich über Landstrasse fast bis nach Hof, um dort die A9 zu nutzen, musste aber vorher knapp 40 km durch den Frankenwald fahren, bei bestem Wetter, blauen Himmel und Sonnenschein und ich konnte einige schöne Naturblicke erhaschen, wie schön doch meine unmittelbare Heimat ist, der Frankenwald, die grüne Krone Bayerns.
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Wieder irgendwo, irgendwann geschrieben:
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Ich kenne nun doch einige Menschen, die ebenfalls schreiben und wir sind da alle recht verschieden. Einige können gut schreiben, wenn eine gewisse Geräuschkulisse um sie herum herrscht und andere, wie ich eigentlich auch einer von bin, benötigen die Ruhe und manchmal sogar die Stille, um die Gedanken fixieren zu können. Die Spache gibt uns an sich nicht nur die Möglichkeit Gedanken zu fixieren, sie schränkt uns zugleich aber auch ein. Denn es gibt Regeln, es gibt Gramatik und es gibt eine Syntax. Es ist immer ein zweischneidiges Schwert mit der Sprache. Auf der einen Seite legt sie einen Rahmen für uns fest, so dass ein gewisser Standard herrscht, ein Rahmen, der es uns ermöglicht mit anderen zu kommunizieren, uns auszutauschen, uns mitzuteilen, aber gleichzeitig schränkt uns die Sprache auch ein. Sie terminiert, sie begrenzt, sie macht starr, unflexibel, denn was geschieben, was formuliert wurde, ist starr, es ist fix, es ist fest.
Diese starren und fixen Regeln stecken somit einen für uns nicht sichtbaren, einen unsichtbaren Raum ab in dessen Grenzen wir und bewegen können und ein Ausbrechen aus diesem Sprachraum ist durch das Regelwerk schwer und auch häufig wenig sinnvoll. Wenn wir jetzt noch, da wir gerade von Einschränkung sprechen, darüber nachdenken, dass das geschriebene Wort wiederum, das sich immer innerhalb eines sprachlichen Rahmens bewegt, zusätzlich dadurch eingeschränkt wurde indem der Verfasser ebenfalls Filter über die im Rohzustand im Gehirn befindlichen Gedanken legte, so können wir als Konsumenten von Texten nur einen kleinen Ausschnitt von dem wahrnehmen, was dem Autor im Geiste herumschwirrte.

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Anderer Tag, anderer Ort, wieder ein Textschnipsel:
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Die Geräuschkulisse ist häufig der Knackpunkt, der die Spreu vom Weizen trennt und es stellt sich immer und immer wieder die Frage – Schreiben oder nicht Schreiben, das ist hier wirklich die Frage. Ich schreibe soeben einen Text weiter, der das Licht der Welt, die schriftstellerische Bühne schon vor einigen Wochen erblickte, jedoch war es für ihn bis dato ein sehr stilles Dasein, es war ein Dasein im Verborgenen und die Beziehung zwischen ihm und mir, meinen Text und mir, war und ist es ja im Moment immer nocht, ist ein sehr intimes, ein sehr innges Verhätnis. Häufig würde ich meine Texte gerne für mich behalten, ich würde sie lieber nicht teilen, wie man eine hübsche Frau ja auch sehr ungern teilt. Ich glaube, dass das Teilen an sich schon ein Punkt ist, dem ein hohes Konfliktpotential innewohnt. Sind wir doch jetzt mal ehrlich zu uns selbst, wer teilt denn schon gerne? Teilen in Zeiten des Überflusses sollte ja nicht das Problem sein, Teilen von Dingen, die einem unwichtig sind, ja eigentlich auch nicht, aber wie schaut die Lage aus, wenn es etwas ist, das man sehr gerne für sich alleine haben möchte, wie schaut es dann mit dem Teilen aus? Ich bin da sehr ehrlich, teilen ist nur bedingt möglich, es gibt Dinge, die würde ich nicht teilen wollen. Und zwischen mir und meinen Texten wird das Verhältnis auch immer intimer je länger wir für uns sind ;-)

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Wieder an einen anderen Ort, ein anderer Anfang:
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Jetzt schreibe ich meinen Text weiter, der seine ersten Stunden des lyrischen Daseins bereits an anderer Stelle erlebte, sein Ursprung, sein Geburtsort war eigentlich in Bamberg in einem schönen Cafe. Jedoch waren seine ersten Stunden, sogar seine ersten Wochen, Wochen und Stunden der Stille und eine Zeit für ein verborgenes Dasein. Denn er lag und liegt ja derzeit immer noch auf Halde, was bei mir Entwurf genannt wird und nicht für jeden zugänglich ist. Sprich, er ist noch nicht für die Welt frei zugänglich, es ist noch ein intimes Verhältnis zwischen mir und meinen Gedanken und diesen Zeilen hier, denn im Moment habe ich sie noch für mich alleine und manchmal möchte ich die Gedanken, die Texte eigentlich auch nicht teilen, ich hätte sie gerne für mich alleine, so alleine, wie man gerne eine Frau auch nur für sich haben möchte.

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Keine Ahnung, wo das entstanden ist, aber es ist wieder ein Textschnipsel im chronologischen Chaos:
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…schreibe ich meine Gedanken, die das Licht erblicken müssen, das Licht der Welt erblicken sollten, denn wer was zu sagen hat, wer Gedanken hat, der muss und sollte sie auch formulieren. Das Ausformulieren von Texten ist wie das Malen oder das Photographieren, häufig hat man eine grobe Vorstellung von dem, was man machen möchte, was man ausdrücken möchte, was man mitteilen möchte, jedoch entwickeln sich die Texte mit einer mir manchmal unheimlich erscheinenden und einzigartigen Eigendynamik. Ich tanze mit den Wörtern und ich tanze mit den Sätzen und mit den Ausdrücken, aber ich kämpfe mit der Grammatik und mit der Rechtschreibung. All das fordert meine Konzentration und meinen Scharfsinn, mehr als mir lieb sein kein. Es ist wie im Leben, im Leben sind meistens die schönen Dinge immer sehr kurzweilige Angelegenheiten, jedoch die Vorbereitungen und die Momente ausserhalb von diesem Schönheitsradius belegen eine exorbitante, nicht im richtigen Verhältnis stehende, Unmenge an Zeit.

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Hurra, Hurra, der letzte Textblock ist da:

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…. denn das, was sich bei mir als ein abstraktes Gebilde in den Gedanken befindet, das will noch in Sprache gepackt und verfasst werden und auf dem Boden der Wörter und der Ausdrücke bewegt es sich manchmal federleicht, manchmal fällt aber jeder einzelne Schritt sehr sehr schwer. Man weiss nie, woran as letztendlich liegt, wenn es gut läuft und man weiss es ebenso wenig, wenn es schlecht läuft, wenn einfach nichts zu Papier kommen möchte. Heute ist es mal eine kleine Ausnahme, denn….

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So das war das zum Text gehörige innere Chaos der unvollendeten Textes. Ein Text, der etwas über Heimatgedanken berichten wollte. Heimatgedanken, vielleicht ist dieser Text ja ein Symbol für meine Heimat, denn eigentlich sollte dieser Text schon lange fertig geschrieben sein und auch in einer anderen Form sein, ist er aber nicht und ein Grund war, dass ich während des Schreibens in den Cafes immer gute Ablenkung hatte, gute Gespräche hatte und die habe ich zugegeben nur in meine Heimat so, wie ich sie derzeit erlebe und da muss ich jetzt echt gestehen, dass ich mich gerne mal unterbrechen lassen, um neue Ansätze zu bekommen, neue Ansätze von den Menschen, die mich scheinbar vom Scheiben abhielten haben mich dann doch wiederum mehr als nur inspiriert und neuen Stoff fürs Schreiben geliefert. Heimatgedanken, ja, Schreiben hat viel für mich jetzt mit der Heimat zu tun, denn seitdem ich hier bin schreibe ich echt viel und es macht Spass zu schreiben, in der Heimat zu schreiben. Ich glaube, dass uns die Heimat ermöglicht die Dinge, die wir in uns tragen, zu entwickeln.

Heimat, ich mag Bayern, ich mag Franken, ich mag Oberfranken und ich mag ganz besonders den Frankenwald und Kronach, seine Menschen und alles, was dazugehört.

Stenor aus Cranach

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