Cafehausschreiber – Erzählung – Ein Textentwurf: Gedanken an einem Samstag, der einen anderen Verlauf nahm, als er geplant war

Gedanken an einem Samstagnachmittag, der einen anderen Verlauf nahm, ganz anders als ich ihn eigentlich geplant hatte. Laut Plan müsste ich gerade vor meiner Staffelei, vor einer weissen Leinwand, stehen, die Farben sich auf der Palette befindend und die Pinsel bereit und in voller Erwartung, um das lang geplante, immer wieder aufgeschobene, Auftragswerk zu vollenden. Nicht, dass ich keine Lust zum Malen hätte, oh nein, es juckt und zuckt in den Armen, der Kopf ist voll von Bildern, Gedanken und Ideen, aber, ja aber, ich sitze gerade mit meinem 11 Zoll MacBookAir im Cafe. Nicht, dass dies von Belang wäre, nicht, dass ich dies hier erwähne müsste – Apple,11 Zoll MacBookAir -, sei es aus Protz, sei es aus Geltungssucht oder sei es nur, um Text zu generieren, nein, eigentlich ist dies nur eine kleine Randnotiz, die das Bild, das sich mir gerade bietet, umschreibend vollendet. Ja, ich befinde mich hier, in meiner Heimat unter den Menschen, die mir nahe sind, die mir vertraut sind, die auch meinen Dialekt sprechen und mich nur so verstehen können, wie es Landsleute können, ja, ich befinde mich in meinem Lieblingscafe in Kronach, ich befinde mich im Lorla und komme nicht weg. Nicht weg von den Menschen, die sich um mich herum befinden, nicht weg vom wohlig warmen Ofen, der sanft und dennoch mit voller Überzeugung versucht meine Knochen und Glieder zu erwärmen. An diesem kühlen und nebligen Herbstwochenende und er kann das echt recht gut, er erwärmt mich. Nicht weg vom Flair und von der ganz besonderen Samstagnachmittagsstimmung, die sich mir gerade bietet.
Es erscheint wie eine Komposition, wie ein Kunstwerk, mit unterschiedlichen Geschichten, mit unterschiedlichen Schicksalen, mit unterschiedlichen Themen. Jeder, jede Tischgruppe, ist in ihrer eigenen Welt. Sie reden, gestikulieren, interagieren und mir bietet sich, wie es sich nur einem Dirigenten bieten kann, der sein Orchester überblickt und begutachtet, ein harmonischer Singsang, der nur wie das Durcheinander, das Summen vieler einzelner Instrumente, zu vernehmen ist, klar und dennoch unklar. Ihr müsst wissen, ich sitze am Platz direkt beim Ofen, etwas leicht erhöht – an meinem Lieblingsplatz. Der Blick und die Ohren über den Massen im Cafe kreisend, vernimmt alles, schenkt aber keinem bestimmten Zentrum der Interaktion mehr Beachtung, als einem anderen, da dies schlichtweg nicht möglich ist, denn ich schreibe, meine Gedanken sind hier, bei meinem kleinen technischen Helfer, der mich anblickt, wie ich ihn anblicke – eigentlich starre ich mehr als das ich blicke, ich starre auf meinen Laptopbibdschirm und die Zeilen sprudeln nur so heraus, ich, der Lyriker, der Schreiber und Fotograf, der eigentlich Maler ist, sein wollte und auch immer im Herzen war, ich schreibe. Ja ich schreibe, aber und das sage ich auch gleich, ich schreibe und das Gegenlesen, das Korrigieren, das erfolgt erst später, ihr müsst dann, ob ihr das wollt oder nicht, zunächst mal mit dem Entwurf Vorlieb nehmen. Entwurf, das lest ihr ja jetzt häufiger mal beim mir. Ja, das hat auch wieder seine Bedeutung und seinen Sinn, denn draufgebracht, auf diese Idee, hat mich eigentlich eine gute Freundin von mir, die in der letzten Zeit doch etwas häufiger meine geistigen/künstlerischen Tätigkeiten wohlwollend zu Kenntnis nimmt und auch häufig wohlige, ja sogar freundliche Worte für meine Kunst findet. Ja K., dich meine ich. Ja, das wusstest du noch nicht, jetzt weisst du es, ich habe jetzt Mut zum Entwurf – Korrigieren kommt, wenn überhaupt, später. Sie hat mich inspiriert zum Entwurf – Mut zum Entwurf. Die Frage ist nur, wann ist ein Text ein Entwurf, wann ist er mehr? Ich kann es euch nicht sagen, auch nicht, was jemals daraus werden wird, denn ich schreibe und eigentlich wollte ich malen. Tja, das Leben und das, was man möchte, und das, wie es dann wirklich ist… Der triste Laptopbibdschirm, dunkelgrauer Text auf weißem Hintergrund, das ist schon etwas anderes als Farbe, das Leben ist bunt, viel bunter als wir es oft wahrnehmen. Es gibt, so wie mir heute geschehen, viele warmherzige Menschen, viele gute Gespräche, die sich – scheinbar aus dem Zufall heraus – ergeben und die das Leben bunt, farbig, einfach schön machen. Heute war mein guter Gespräche Cafe Tag. Es fing im andern Lieblingscafe, in Katjas Cafe in Kronach an, dort traf ich eine Comiczeichnerin aus Kronach, ging dann auf dem Weg zum Lorla weiter, denn ich habe endlich mal – durch Zufall – Mirjam, eine Designerin aus Kronach in ihrem Laden in der Oberen Stadt getroffen und mich mit ihr so gut unterhalten, dass wir jetzt beide zusammen ein Kunstprojekt in Bamberg angehen werden. Interessant war zu erfahren, dass ihr Mann aus Irland kommt und da ich die grünen Inseln – Schottland und Irland – liebe, hatten wir auch gleich einen Draht zueinander gefunden. Ist halt Heimat und ein Samstagnachmittag, der anders war als gedacht. Im Lorla ging’s dann weiter, dort befand sich eine Mutter mit Kind an meinem Lieblingstisch und nach der Ansprache und Frage, ob noch Platz sei und ob ich mich hier niederlassen dürfte, da dies mein Lieblingsplatz sei, gaben die beiden ihr Ok und so nahm ein sehr interessantes Gespräch seinen Anfang und endete mit freundlicher Verabschiedungsgestik zwischen dem Kleinen (ein Jahr altes Kind) und mir. Tsja, der Samstagnachmittag, der anders war, als gedacht.

Es gäbe noch so viel zu sagen, zu schreiben. Hier mal drei Photos von heute. Ihr könnt gespannt sein, ich glaube, ich werde jetzt häufiger mal was schreiben. Denn sind wir mal ehrlich, die Blicke der Menschen, wenn jemand mit seinem, doch sehr edel wirkenden,11 Zoll MacBookAir in Gedanken versunken und schreibend da sitzt, das erzeugt schon etwas an Aufmerksamkeit und Freunde ich sag’s euch ganz ehrlich, ich stehe gern mal im Mittelpunkt, schätze das Beachtet werden, nicht, dass ich dies jetzt erwähne müsste, nein, es rundet jetzt nur das Bild ab, das sich mir bietet. An diesem Samstagnachmittag, mitten im Leben, mitten in der Heimat, ich, der Maler, der schreibt…

In diesem Sinne, plant nicht zu viel, entwerft mehr, entwerft euer Lebensmuster, entwerft eure Pläne, ich kann euch versichern, es kommt anders als ihr glaubt.

Stenor aus Cranach

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