Atelierschreiber – Das Einzige was abhält ist die ‘Fensterglotzerei’

Das Einzige was abhält ist die ‘Fensterglotzerei’

So langsam gewöhne ich mich an das nächtliche Schreiben und eine Duftkerze mit Vanilleduft inspiriert, komischerweise, komisch, da ich das Vanillearoma im Essen überhaupt nicht mehr mag, meinen Geist. Kaffee kann ich jetzt auch zu wirklich jeder Tages- und Nachzeit trinken ohne irgendwelche Einschlafprobleme dabei davonzutragen und der über 50jährige Küchentisch wächst mir auch so langsam ans Herz und wenn ich’s nicht besser wüsste, würd ich jetzt sagen, ich hab mal so ganz unbemerkt, nebenbei, ein Schreibritual entwickelt. Das Einzige, das wirklich Einzige, was mich jetzt noch vom Schreiben abhalten kann ist, wenn draussen ein wunderschöner Sternenhimmel oder ein schöner voller Mond das Himmelszelt schmückt, denn dann steh ich am Fenster, wie der kleine Junge Stefan vor mehr als 30 Jahren und staune immer noch mit offenem Mund über diese anmutige Schönheit. Was gibt es denn Schöneres, Beruhigenderes als den nächtlichen Anblick gen Firmament? Manchen fallen da sicher noch ein paar andere Dinge ein, aber ich war schon immer vom Himmel, von den Sternen fasziniert und auch irgendwie inspiriert.img_5306.jpg

Der eine Serientext, der noch auf seine Fortsetzung wartet, der befasst sich ja mit einer uralten Künstlerproblematik, er befasst sich mit der Muse und was man so von den Musen an sich ja kennt oder vom Hörensagen weiss ist ja  bekanntermaßen ihre Fähigkeit den Künstler zu inspirieren und was mir da so jetzt gerade beim Schreiben auffällt ist, dass ja auch der Anblick des Sternenhimmels inspiriert, zumindest mich inspiriert, was jetzt gerade beim schreiben eine interessante Selbsterkenntnis beinhaltet. Heraklit fällt mir da so spontan ein und auf ihm kann der Ausruf – erkenne dich selbst -zurückgeführt werden – der gute alte Heraklit und die guten alten Weisheiten. Ist unsere heutige Zeit denn oberflächlicher und ohne Tiefgang? Kein Land der Dichter und Denker mehr? Falls ja, wo sind sie denn alle hin, die Dichter, die Denker, die Querdenker, die Philosophen, die Humanisten? Ich glaube sie gab es schon immer und sie meldeten sich auch immer zu Wort; nur wenn ich das jetzt so mit der Vergangenheit vergleiche, so drängt sich mir doch der Verdacht auf, dass viele schweigen, still sind und… Aber vielleicht ist es doch wieder alles ganz anders, vielleicht sind die Dichter, die Denker, die Philosophen, die Humanisten gar nicht weniger geworden, nur ruhiger, denn sie sind mit dem – erkenne dich selbst Thema – beschäftigt! Wäre möglich, würde ich mir auch irgendwie wünschen, denn wer sich selbst erkannt hat, der sieht die Welt mit anderen Augen, vielleicht sogar etwas demütiger, etwas stiller, was mich jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurückführt, nämlich zum ‘Festerglotzen’. Denn bei diesem so genannten ‘Fensterglotzen’ werde ich auch immer sehr still, sehr demütig, da der Anblick des Kosmos bei Nacht einfach demütig und still werden lässt. Ich finde da hat sich der Schöpfer wirklich viel Mühe gegeben, der Kosmos ist etwas sehr Schönes, etwas sehr erhabenes und ich hab das ab und an wirklich nötig diese Erdung beim Anblick des Firmaments bei Nacht.

Ist ja immer schade, dass, wenn man schreibt, es eine einseitige Angelegenheit ist, denn der Autor schreibt seine Gedanken, sein Empfinden, seine Sichtweise und jetzt in diesem Augenblick würde mich in einem Zwiegespräch sehr interessieren, wie es euch so ergeht, wenn ihr nachts den Sternenhimmel seht, ob ihr auch ‘Festerglotzer’ seid oder ob euch das überhaupt noch nicht in den Sinn kam und euch das auch kalt lässt. Aber so ist das Dasein eines Schreibers einfach, es ist still, es ist einsam, es ist nur eine Richtung in die es geht, Rückkopplungen gibt es nicht direkt und nur wenn man mal Glück hat, bekommt man zeitversetzt eine Rückkopplung und erfährt, was der eigene Text für Wirkungen erzielte. Interessant finde ich es ja dann doch schon, wenn Texte Wirkungen hervorrufen – übrigens jedes Wort und jeder Satz, egal ob verbal oder nonverbal in die Welt gebracht, haben Wirkungen. Reden können Frieden stiften, Worte können trösten und dennoch sind es nur Worte, sie können auch verletzten, wie Messerstiche, aber es sind ‘nur’ Worte.

‘Fensterglotzen’ – wollen wir jetzt mal ‘fensterglotzen’? Also ich geh jetzt mal schauen….

Stenor aus Cranach

 

Translate »