Ode an den Osten – den es ja eigentlich nicht mehr gibt und die Begegnung der besonderen Art

Ein Liedertext wird es jetzt auch nicht werden, genauso wenig, wie es eigentlich den Osten nicht mehr gibt, aber ‘Ode an den Osten’ hat mir einfach als Überschrift so gut gefallen, dass ich sie einfach verwenden musste und so ganz falsch ist sie dann doch auch wiederum nicht, aber eines nach dem anderen.
Der ‘Osten’, wie er gerne noch ab und an von uns ‘Wessis’ bezeichnet wird, den gibt es ja so gesehen schon lange nicht mehr, aber dennoch, meine Generation hat halt die Zeiten mit dem ‘eisernen Vorhang’ mit erlebt und so sind halt noch manche Bilder eingebrannt und existent, aber sie verblassen – Gott sei Dank.

Heute bin ich zum ersten Mal in Greiz auf dem Park- und Schlossfest gewesen, um am dortigen Falun Dafa Stand (das ist eine chinesische Qigong-Schule, die ich seit Jahren übe) mit beim Präsentieren von Falun Dafa in Greiz auf dem Fest zu unterstützen. Greiz, das war bis dato ein Landstrich für mich, den ich noch nicht besucht habe und somit war ich heute zum aller ersten Mal in dieser Region und ich muss jetzt echt sagen, ich bin wieder begeistert vom ‘Osten’, den es ja so nicht mehr gibt. Ich hatte ja hier im Blog auch die Geschichte zu Leipzig online gestellt und auch von Leipzig und besonders von den Menschen in Leipzig war ich äußerst angetan und positiv überrascht. Jetzt, heute, hier in Greiz, bin ich wieder von den Menschen dermaßen positiv überrascht, so dass ich jetzt echt mal behaupten möchte, dass die Damen und Herren aus den neuen Bundesländern, besonders diejenigen, die aus Sachsen und Thüringen stammen, sehr offene, liebenswerte, sehr kommunikative – einfach nette – Menschen sind. Die Freundlichkeit, die ich heute wieder am Stand von Falun Dafa erleben durfte, muss echt mal erwähnt werden, denn die Menschen dort sind etwas besonderes. Ich komme gleich zu der kleinen Geschichte, sprich zu der kleinen Episode, die mir heute widerfahren ist.

Ich weiss nicht, noch nicht, was es ist, aber die Menschen aus Thüringen und Sachsen, die gefallen mir von ihrer Art ganz besonders gut. Ich finde, dass sie sehr offen, sehr freundlich und unverkrampft sind, so dass es echt wirklich Spass macht sich mit ihnen zu unterhalten. Ich bin ja mal gespannt, ob ich es jemals in Erfahrung bringen werde, was dieser Landstrich besitzt, so dass die Menschen dort so werden können, wie sie sind.
Ich habe schon überlegt, ob es an der Freistaatlichkeit liegt, denn Bayern, Sachsen und Thüringen, das sind alles Freistaate. Ja, das ist auch nur geraden im Moment ein Erklärungsversuch, der sicher hinkt. Aber so bin ich nun mal, ich brauche halt für alles eine Erklärung, da ich immer noch der Meinung bin, dass man alles erklären kann – uns fehlt halt häufig nur der Überblick, um zu erkennen.

So, und nun mal zur kleinen Geschichte, die ich heute erleben durfte. Und ich muss gleich vorweg nehmen, wenn ich nicht durch mein Qigong wüsste, dass es sowas wie Schicksal gibt und es eigentlich auch keine Zufälle gibt, wäre ich erstaunt und auf der Suche nach Antworten, aber, es war heute einfach ein Fall von Schicksalsverbindung und ich schreibe jetzt diese Erzählung nieder, da ich mich immer noch innerlich freu und meine Freunde gerne teilen möchte – und ausserdem muss ich trainieren, denn Schreiben muss trainiert werden, wie Joggen oder Radfahren.

Heute, irgendwann in den Nachmittagsstunden, musste ich mal austreten und wollte mir dann auch dabei noch etwas die Beine vertreten und so begab ich mich auf die Suche nach einer Toilette auf dem Park- und Schlossfest in Greiz. Irgendwann habe ich dann auch das benötigte Örtchen gefunden. Jedoch lag hinter dem WC-Haus, oberhalb liegend, das Obere Schloss von Greiz. Ich schoss dort schnell noch ein Photo, um es online stellen zu können und den Ort wollte ich natürlich auch noch dem Bild mitgeben, so dass meine Follower wissen, wo das Bild entstanden ist. Ich musste dann nachfragen, da ein paar Schlösser und andere Tags aufgelistet waren und ich auf Nummer sicher gehen wollte und keine falsch Ortsinformation mitschicken wollte, sprach ich, ohne lange zu überlegen, zwei Damen an. Die eine Dame war etwas älter und es war die Oma von der anderen Dame, die, wie sich später rausstellen sollte, die Enkelin war und den Namen Merzedes trug. Beide waren sehr aufgeschlossen und gaben mir bei unserer Unterhaltung die notwendige Auskunft, so dass ich mein Photo mit dem passenden Geotag online stellen konnte. Ich wollte mich schon bedanken und aufs Örtchen schreiten, aber ich weiss gar nicht mehr, wie es kam, aber plötzlich sprachen die Oma und ich über Lyrik und siehe da, sie ist auch eine Lyrikerin und schreibt schon sehr lange Lyriken und hat auch bereits Werke von sich veröffentlicht. Ich musste dann schon fast innerlich etwas lachen, denn das war ja wieder mal so ein schöner Zufall und so haben wir uns dann wirklich angeregt und sehr angenehm unterhalten und irgendetwas war da zwischen uns dreien, etwa vertrautes, so, als ob man sich schon länger kennen würde, etwas sehr angenehmes, sehr offenes, unverkrampftes und ich war wieder einmal erstaunt von den Menschen aus Thüringen – Osten will ich jetzt nicht mehr schreiben, denn den gibt es ja nicht mehr – zumindest so wie wir das meinen,  wenn wir vom Osten sprechen, aber er ist nun mal Geschichte.

Nun ja, die Damen gaben mir dann noch ein paar Tips, wo ich hingehen könnte, um einen guten Blick über Greiz zu erhaschen und sie waren so nett, dass sie mich auf dem halben Weg zum Aussichtspunkt begleiteten. Auf dem Weg dorthin haben wir uns noch sehr angenehm unterhalten, es war wirklich eine sehr lockere, entspannte, Unterhaltung, so, wie ich sie mag – das sind einfach Augenblicken, Momente, wo man die Menschen einfach nur schätzen und lieben kann, so wie sie sind.
Ich finde es ja immer noch zum Teil wirklich erstaunlich, wie sich mein Fokus im Laufe der Jahre und im Laufe der Zeit verändert hat. Künstlerisch begann ich mit Landschaft und Architektur und Menschen an sich haben mich da weniger interessiert. Und wie schaut es heute aus? Jetzt ist der Mensch zentral und ich unterhalte mich wirklich sehr gerne mit Menschen, höre gerne zu, was sie zu sagen haben, mache gerne mal einen Witz und bringe Menschen zum Lachen und freue mich immer über alle Begegnungen, besonders über solche, wie sie heute wieder, so ganz rein ‘zufällig’, zustande kamen. Der ‘Osten’ (oh ich wollte es ja nicht mehr schreiben), er ist wirklich etwas Besonderes, die Menschen dort sind etwas Besonderes. Die Geschichte geht ja noch ein bisschen weiter, denn als mich die beiden Damen an den Punkt, wo sich unsere Wege trennten, trennen mussten, gebracht hatten, verabschiedeten wir uns herzlich und sie schritten ihrer Wege und ich ging den meinigen und pilgerte hoch zum Oberen Schloss, um die Aussicht über Greiz bildlich als Erinnerung an diesen Tag festzuhalten. Danach ging ich dann auch endlich auf die Suche nach einem weiteren WC – denn ich war ja vorhin im Eifer des Gesprächs gar nicht dazu gekommen das stille Örtchen aufzusuchen und nach dieser, jetzt wirklich dringenden Angelegenheit, bin ich dann wieder zurück zum Stand und hatte dort ebenfalls noch weitere sehr nette und gute Begegnungen und Gespräche und es zogen ein paar Stunden ins Land, bis zu dem Zeitpunkt als plötzlich beide Damen erneut vor mir standen. Diesmal begrüsste ich sie schon fast wie zwei alte Bekannte aus früheren Tagen. Wir waren dann auch gleich, im Sekundenbruchteil erneut im Gespräch und die ältere Dame wollte mir unbedingt noch die Musikschule zeigen und ich bin dann gleich ad hoc mit und wir begaben uns auf den Weg zur Musikschule. Dort angekommen besichtigen wir selbige und mir wurde eine prächtige Kuppel im Haus gezeigt, die wunderschöne Fresken zur Schau stellten und wir sprachen dabei wieder herzlich und sehr angeregt. Bei Begegnungen diese Art ist es eigentlich nicht immer so wichtig, was gesprochen wird, wichtige ist, wie nah die Distanz zwischen den Menschen ist und ich von meiner Seite aus muss rückblickend feststellen, dass es gefühlt sehr nah war, eine Nähe mit respektvoller Distanz, so wie ich es eigentlich am liebsten habe. In diesem Moment des Schreibens fällt mir gerade ein und ich weiss nicht, ob ihr ihn kennt, aber, mir fällt da Franz Xaver Gernstl, der auf BR mal die Sendung ‘Gernstl unterwegs’ machte, ein und so wie Gernstl habe ich mich heute auch gefühlt. Einfach mal ganz entspannt mit Menschen sprechen, zuhören, offen sein für das was kommt. Ich glaube sehr viele Menschen auf dieser Welt sind Kostbarkeiten, viele Menschen tragen sehr wertvolle Dinge im Inneren, im Herzen, wir sehen sie nur häufig nicht, da sie verborgen sind und versteckt werden; aber ich stelle immer wieder fest, dass, wenn man sich wirklich mal die Mühe macht, Menschen so zu nehmen, wie sie sind, offen und aufrichtig ohne Hintergedanken ihnen begegnet, nichts erwartet und sich über alles freut, was sie einem an Aufmerksamkeit geben, an Gesprächen und so weiter, dann kann man wirklich sehr gute Menschen erkennen.

Eine Ode an den Osten – ich mag die Thüringer und die Sachsen, denn bis dato habe ich da nur offene, herzliche und supernette Menschen kennen gelernt und eins ist sicher, jetzt werde ich häufiger in diese Regionen reisen, wo sich diese netten Menschen befinden – und übrigens das Leipzig-Thema ist ja auch noch offen, wenn ich so weitermache, kann ich mir gleich eine Wohnung in Thüringen oder Sachsen nehmen, müssen ;-) Ich könnte ja Stenor unterwegs oder Schwarz unterwegs machen und Thüringen und Sachsen bereisen, das wäre doch mal was! :-)

Merzedes, vielleicht schreib ich den Namen sogar auch noch falsch und er wird Mercedes geschrieben, die Oma hatte übrigens den Namen für die Enkelin herausgesucht und mit ihrer Tochter sich dann auf diesen Namen verständigt. Da merkt man ja gleich, dass die Oma, diese nette und reizende Dame, sehr künstlerisch veranlagt ist und nachdem ich meine Kontaktdaten übergeben hatte, bin ich ja jetzt wirklich gespannt, ob ich eine Mail erhalten werde, denn ich hatte darum gebeten, ich würde nämlich sehr gerne mal ein paar Lyriken von der Oma lesen, wie sie so schreibt und was sie so schreibt, denn es ist ja für mich, da ich selbst ja auch schreibe, hochgradig interessant die Texte und Lyriken von anderen zu lesen.

Stenor aus Cranach

P.S.: Jetzt nach dem Text schreiben ist es in meinem Kopf so, wie es meinem Körper nach dem Sport ergeht. Man fühlt sich etwas erschöpft, aber gut und glücklich. Man hat etwas geschafft, denn Texte schreiben kostet auch etwas an Kraft und Konzentration und ich bin ja da auch im Moment dabei meine Schreibfähigkeiten weiter zu trainieren und es macht mir auch immer noch richtig Spass zu schreiben und es erstaunt mich selbst immer noch sehr, wie der Text beim Schreiben verläuft und was dann letztendlich am Ende zu Papier gebracht wurde. Schreiben, welch Leidenschaft, die keine Leiden, sondern Freunde schafft…

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