Text – Der Cafehausschreiber – Auf der Suche nach der Muse – Teil 3: Nosce te ipsum – ‘Erkenne dich selbst’

(Teil 2,5: In Bewegung, alles ist in Bewegung)

Teil 3: Nosce te ipsum – ‘Erkenne dich selbst’

‘Nosce te ipsum’, was soviel heißt wie «erkenne dich selbst». Ein kurzer und trotz seiner Überschaubarkeit ein nicht minder tiefgründiger Satz; vielmehr ein Ausspruch, eine Weisheit, ein Ausruf – vielleicht sogar ein Aufruf? In welchem Zusammenhang mag ihn wohl Heraklit geäußert haben? Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, dieser Satz von Heraklit. Egal was man auch immer von Heraklit halten mag, es ist auch hier, wie bei vielen Dingen im Leben, alles hat seine zwei Seiten. Das Schlechte und das Gute, sie treten zumeist paarweise auf und die Frage, die sich letztendlich immer stellt, ist nur, wie man sich entscheidet – sprich welcher Seite man sich zuwenden mag.

‘Erkenne dich selbst’ hat irgendwie Potential und dieser Ansatz könnte vielleicht zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt werden und da ich ja immer noch schriftstellerisch das Musethema bearbeite und man höre und staue, besser gesagt ich staune gerade selbst, denn es sind jetzt doch wirklich schon mehr als ein halbes Jahr in dem ich mich mit der Musefrage beschäftige, kann es gut sein, dass diese beiden Aspekte vielleicht enger miteinander verbunden sind als man glaubt. Zwar war die Musesuche mal mehr und mal weniger von Bedeutung, aber dennoch, sie ist immer noch präsent diese Frage, diese Suche. Ich denke gerade nach, wie ich so oft innerhalb der letzten Monate nachdachte, häufig sehr intensiv während des Schreibprozesses, denn Schreiben bedeutet zu reflektieren, zu vergegenwärtigen, aber ehrlich gesagt weiß ich im Moment gar nicht mehr so ganz genau, ob ich überhaupt noch auf der Suche nach der Muse bin. Vielleicht bin ich dann doch eher auf der Suche nach mir selbst?! Vielleicht trifft ja beides irgendwie zu und vielleicht muss man beides in Kombination sehen und vielleicht sind wir ja alle irgendwie, sei es bewusst, sei es unbewusst, auf der Suche nach uns selbst?

‘Erkenne dich selbst!’ Je häufiger ich diesen Satz lese und je häufiger ich über ihn nachdenke, umso mehr muss ich feststellen, dass wir vielleicht alle irgendwie uns selbst im Dasein verloren haben, denn wer kann schon von sich behaupten, dass er den Sinn des Lebens erkannt hat und sich selbst gefunden hat? Ich spreche jetzt mal vom wahren Sinn und nicht von dem Sinn von dem wir glauben, dass es der Sinn des Lebens sei. Diese Sinnfrage ist wahrscheinlich untrennbar mit der Suche nach uns selbst verbunden und muss vielleicht auch mit uns verbunden sein, denn eins ist, denke ich, sicher. Sicher ist, dass es in diesem grandiosen Universum nichts gibt, was keinen inneren Sinn besitzt. Jedes Teilchen, jedes Gebilde, jeder Baum, jeder Mensch und jedes Tier hat seinen Sinn, seinen Sinn des Daseins. Nur, die Frage ist, wer kennt schon seinen wahren Sinn?

‘Erkenne dich selbst!’ Ich glaube, wer sich selbst erkannt hat, der hat auch andere erkannt und wer andere erkennt, der versteht. Macht das Sinn? Der Weg des Verstehens geht von mir über andere zu mir zurück, dann versteht man? Macht das Sinn?

‘Erkenne dich selbst’ ist ja, wenn wir diesen Satz genauer anschauen, genau das Gegenteil vom ‘im Außen suchen’. Wer sich ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzt, der ist nicht mehr ‘im Außen’, der ist bei sich selbst gelandet. Aber, wie leicht und wie bequem und wie häufig wird im Außen gesucht, wenn es um Konflikte, Probleme, Schwierigkeiten und nach der Suche von Fehlern geht. Man kann Gott und die Welt für alles mögliche verantwortlich machen, nur sich selbst als Ursache zu sehen, das ist schwer und wird selten gelebt. Dumm ist nur, wenn man etwas ändern möchte, dann kann man sich eigentlich nur selbst verändern, denn andere verändern zu wollen, das kostet einerseits viel Kraft und andererseits funktioniert es nur bedingt oder eben gar nicht. Wer lässt sich schon gerne von anderen verändern? Sollten die Ursachen für Schwierigkeiten, Probleme etc. bei einem selbst liegen, was nutzt denn dann das Verändern von anderen Menschen?

‘Erkenne dich selbst!’ Die Frage, die zentrale Frage, die sich uns jetzt an dieser Stelle aufdrängt ist doch: Wie macht man das eigentlich? Wenn ich in den Spiegel blicke, dann erkenne ich mich auch selbst, aber mit dem Spruch von Heraklit muss dann doch wohl eine andere Art von Erkennen gemeint gewesen sein oder? Gut, ich denke es ist uns allen klar, dass hier die inneren Werte, das innere Wesen von uns gemeint ist, das es zu erkennen gilt. Aber, wie geht denn dann das Erkennen von einem selbst? Nachdenken? Vielleicht! Nein, ganz sicher hat es etwas mit dem Nachdenken zu tun und es hat bestimmt auch viel mit Ehrlichkeit zu tun und zwar mit der Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber. Wir sind häufig nicht das, was wir gerne wären, was wir gerne sein wollten, sondern manchmal – vielleicht sogar sehr häufig – etwas anderes.

‘Erkenne dich selbst!’ Vielleicht erkenne ich die Muse, wenn ich mich selbst erkannt habe. Dieser Gedanke wäre doch ein sehr schöner Gedanke, denn ich müsste in mir selbst – mich selbst – erkennen, über mich selbst nachdenken und beim erfolgreichen Abschluss meiner Selbstsuche wäre ich dann auch gleichzeitig am Ende meiner Suche nach der Muse. Welch schöner Gedanke. Nur, ob ich dann noch eine Muse brauchen würde, das wäre dann die nächste Frage… Auf der Suche nach der Muse und das uralte Thema mit der Suche nach der Wahrheit, die Suche nach dem Sinn, die Suche nach sich selbst.

‘Erkenne dich selbst!’ Wer sich selbst erkennt, der hat sich gefunden, der ist sich klar darüber, wer er ist, wo er ist und wahrscheinlich weiß er auch, wohin er möchte oder vielleicht sogar muss. Die ewige Suche, sei es nach der Muse, sei es nach sich selbst, es ist das Suchen, es ist das Nachdenken und ich glaube, wer hartnäckig ist, der wir alles finden, was er auch immer finden möchte. Nur die Frage ist, wer kann über eine lange Zeit die Hoffnung und den Mut aufrechterhalten? Wer das kann, wer dies umsetzen kann, der wird am Schluss Erfolg haben, der wird die Suchen erfolgreich enden lassen können.

‘Erkenne dich selbst!’ Gut, wir wissen jetzt, worum es theoretisch geht, stürzen wir uns ins Leben, stürzen wir uns weiter in den Kreislauf und begeben uns wieder auf den Pfad der Suche. Teile habe ich ja schon gefunden, aber ich bin mir auch sicher, dass dieses Mosaikbild noch vervollständigt werden kann, um in seiner vollen Pracht vor meinem geistigen Auge zu erscheinen, in all seiner Farbigkeit und Schönheit. Geistige, farbige Kopfbilder malen, das macht mir Spaß und es ist etwas sehr persönliches, sehr individuelles, denn man – ich – kann diese Bilder ja niemanden zeigen, ich kann nur versuchen mittels meiner Sprache, meiner Fähigkeit die Dinge zu beschreiben, sie textuell und sprachlich zu transportieren, eigentlich zu visualisieren.

Nun mal Klartext. Seit dem letzen Teil hat sich dann doch einiges verändert, bewegt und entwickelt. Denn dieses ‘erkenne dich selbst’, das praktiziere ich schon seit ein paar Jahren. In China nennt man es Kultivierung und diese sogenannte Kultivierung habe ich dann meiner Qigongschule zu verdanken, denn dieser Ansatz zur Selbsterkenntnis, der ist den alten Chinesen bereits seit ein paar Tausend Jahren bekannt. Es ist die Suche nach uns selbst und so ist es mit der Zeit fast unausweichlich für mich, dass auch ich in manchen Punkten Klarheit erhalten habe und diese Klarheit schimmert und glänzt, wie ein stille und reiner Teich im Reich der Mitte an dem man die alten Taoisten in aller Stille und eingekehrt in sich selbst, man könnte auch in Meditation sagen, antrifft.

Klarheit hat aus meiner Sicht sehr viel mit Realismus zu tun – sich selbst realistischer zu sehen. Erkenne dich selbst, hat auch viel mit Wahrheit und Bewusstsein zu tun, sich einer Sache bewusst werden, damit hat es sehr viel zu tun. Viele Klarheitsprozesse entwickeln sich auf einer sehr natürlichen Art und Weise, wenn man sich auf den Weg begibt, um den Tao zu suchen. Es sind rote Fäden denen man folgt. Die Muse und ich – im Leben müssen sich die Dinge entwickeln. Man kann zwar versuchen die Muse zu finden, aber ich glaube jetzt aufgrund meiner Erfahrungen in den vergangenen Wochen und Monaten, dass sich die Dinge im Leben zum Großteil so entwickeln, wie sie sich entwickeln sollen und ja ich habe da schon ein paar Musen gefunden. Menschen, die mich inspirieren, Mensche mit denen ich gerne Zeit verbringe, Menschen die so zufällig in mein Leben traten, wie sich einem Pokerspieler sein Full House offenbart, nachdem er seine Karten zum ersten mal anschaut.

SaC

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