Ars moriendi

Es wird gelebt, aber es wird kaum noch über die letzte Konsequenz, die das Leben beinhaltet, nachgedacht. Ars moriendi – im Mittelalter doch noch stark gelebt und mit häufig mehr als nur einem Auge drauf geschaut, so ist in der heutigen Zeit diese Denk- und Sichtweise doch äußerst fremd, vielleicht sogar völlig verpönt. Wen wundert’s? Die Zeiten sind geprägt von Konsum, von Oberflächlichkeiten und von einer Schnelllebigkeit, die in unserer jüngsten Vergangenheit einmalig ist. Menschen leben für das Leben, Konsequenzen? Interessieren nicht. Das Heil der Seele, das Seelenheil, zählt mehrheitlich zum Bereich der Mystik und Märchen und keiner denkt mehr darüber nach, was Taten für Folgen nach sich ziehen können. Menschenleben werden bedroht, es finden überall, auch in Ländern, die noch vor ein paar Jahren als sicher galten, vermehrt Übergriffe und Gewaltakte statt, Menschen sehen sich nicht mehr gegenseitig mit Respekt und Achtung an und Messer werden schneller gezogen als man schauen kann. Wo soll diese Gewaltspirale noch hinführen? Wie weit kann der gegenseitige Respekt noch voreinander schwinden und wo stoppt mal dieser ganze Irrsinn? Seelenheil! Man mag ja schon gar nicht mehr die Worte Himmel und Gott in den Mund nehmen, da auch diese beiden Begrifflichkeiten eine an die Grenzen der Absurdität geführten Realität zugeschrieben werden möchten – mehr und immer mehr. Im Namen vom Himmel wird auf Erden Gewalt verübt, aber was mag wohl der liebe Gott dazu sagen, wenn ihn die Menschen hier auf Erden für ihre eigenen Zwecke in den Mund nehmen und damit seinen Namen beschmutzen? Was mag wohl der Himmel darüber denken, wenn sich einige hier auf Erden so benehmen als seien sie die alleinigen Herrscher und als stünden sie über alle anderen? Ars moriendi – der Himmel wird es uns zeigen und wird uns korrigieren, müssen? Natürlich setzt all dies voraus, dass man an den Himmel und an Gott glaubt und sich dessen auch bewusst ist, dass alles eine Konsequenz nach sich zieht, ziehen mag, ziehen wird…

Ja, so oder so ähnlich könnte eine Einleitung zu einer Gesprächsrunde beginnen, vielleicht muss man manche Dinge überspitzen, um in der medial stark überfluteten Zeit gehört zu werden, vielleicht sind es aber auch die leisen Töne, die verändern, aber reden ist eines unserer – zumindest, wenn es uns als Menschen tangiert – Mittel der Wahl, um zu verstehen, um zueinander zu finden und um Trennungen zu überwinden. Wer miteinander spricht, der beginnt einander zu verstehen und wer einander versteht, der kämpft auch höchstwahrscheinlich nicht.

Neo Rauh

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