Gedanken an einem Vorabend

Wenn der Abend sich dem eigenen Horizont immer mehr offenbart, so sind auch die Zeiten gekommen, die uns bewusst werden lassen und uns ein Stück aus dem Nebel entreißen – nur wollen wir entrissen werden? Die Eindrücke und die Gedanken, die sich wie an einer Staumauer auftürmten, finden nun ihren Weg in die Welt, kanalisiert und bestimmt strömt das Aufgetürmte dahin und findet für einen kurzen Augenblick auf einer der unzähligen Bühnen des Lebens kurz Beachtung. Viele Augenblicke sind vergangen, viele Gedanken fanden ihren Weg und manche hatten Bestand. Viele suchen nach der Anerkennung und nach Aufmerksamkeit und die Trommel werden oft sehr laut geschlagen, dennoch lässt doch häufig das, was unter der Oberfläche transportiert wird, nicht seiner lautstarken Ankündigung gerecht werden – Qualität mit Verfallsdatum? Es gibt sie noch, wenn auch in der Vergangenheit liegend, die Momente, die Dinge, die mehr beinhalten als man oberflächlich erkennen mag und häufig wurden sie recht unscheinbar in der Stille geboren, aber sie fanden mit der Zeit ihre Bedeutung und haben diese nach wie vor beibehalten – nur erkennen wir sie noch? 
Wenn man sich selbst mal die Freiheit gab, etwas aus dem Getümmel der Trommeln zurückzutreten, um mehr auf die Stille zu achten, wird man sie – wahrscheinlich zwangsläufig – wieder entdecken – müssen. Die Werke, die Gedanken, die unzerstörbaren Werke der ganz Großen. Goethe, Schiller, Wagner, Strauss… wo sind sie hin und wo sind sie heute? Ich glaube ja fest, sie befinden sich unter uns und wer nicht nur mit den Augen sieht, der kann möglicherweise erkennen – nur dazu bedarf es an etwas Stille und die Trommeln müssen schweigen.

Stenor aus Cranach

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