Lyrik – Das Diktat der Ahnungslosen

Gefiltert und gesteuert –
haben sie uns stets die Freiheit beteuert.
Doch so frei ein Fisch im Aquarium nur sein kann –
so frei setzt er sich vorm Fernseher hin, der freie Mann.
Die Glotze flimmert und die Zeit verstreicht –
geschafft rafft er sich auf ins Bett, inhaltsvoll war’s nicht, wieder mal sehr seicht.
Goethe, Schiller, Lessing, Kant –
alle diese Werke, schon lange wurden sie verbrannt.
Doch das ist uns allen völlig wurscht –
rein die Chips und auf das Cola, jetzt hat er wieder richtig durscht.
Doch halt, Moment, jetzt denken wir doch erst mal nach –
stimmt, es war uns wurscht, das Feld lag schon viel zu lange brach.
Doch Hoffnung gibt’s bekanntlich immer –
am Tunnel blitzt er wieder auf, der Hoffnungsschimmer.
Die Glotze aus, das Hirn mal wieder ein –
so fängt es wieder langsam an, das menschliche Dasein.
Plötzlich sieht man sie schon von weitem kommen –
diejenigen, die vom Glotze schauen sind noch immer stark benommen.
Und plötzlich und mit der Zeit wird alles klar –
man hat viel mehr Zeit zum Leben, ei wie wunderbar.
Raus den Goethe, raus den Kant –
jetzt geht’s wieder auf in unsrem Land.
Denn wir sind nun mal das Land der Dichter und der Denker –
denn einer muss ihn halt nun mal spielen, den Steuermann, den Lenker.
Moral und Tugend steigen wieder sehr stark an –
jetzt ist er wieder frei, der denkende Mann.
Die Frau ist dann natürlich ebenfalls wieder frei –
Kinder hören wieder auf die Eltern, viel stummer das laute Geschrei.
Doch wie auch immer alles sei –
denkt mal alle nach, seid ihr wirklich frei?

Stenor aus Cranach

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